AAA
Kontrast
Aktuelles

Eiserne Hochzeit von Maria und Wilhelm May

Das Eiserne Ehepaar May mit Bürgermeisterin Birgit Huber

Stolze Urgroßeltern: Maria und Wilhelm May mit einem Foto des kleinen Jonathan

65 Jahre verheiratet und immer noch verliebt: Maria und Wilhelm May aus Oberasbach feierten am 8. Februar 2018 ihre Eiserne Hochzeit, zu der als gern gesehene Gratulantin auch die Erste Bürgermeisterin Birgit Huber vorbeikam. Sie überbrachte nicht nur die Glückwünsche und Geschenke der Stadt, sondern auch die des Landrats und des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Kennengelernt haben sie sich 1950 bei einem Ball in ihrer Heimat Siebenbürgen, und schon beim ersten Tanz war es um beide geschehen. Noch am selben Abend gab es den ersten Kuss. Doch die junge Maria hatte während der fast fünfjährigen Deportation nach Russland schwere Zeiten erlebt. „Ich habe vor Wilhelm lange keinem Mann vertraut“, sagt sie leise. Denn kurz vor ihrem 16. Geburtstag war Maria im Januar 1945 mit ihrem Vater in ein Arbeitslager nach Russland verschleppt worden, zusammen mit über 270 Frauen zwischen 15 und 45 und Männern im Alter von 15 bis 50 Jahren aus ihrem Heimatort unweit der ungarischen Grenze. Die Mutter konnte mit den jüngeren Geschwistern zurückbleiben. Erst 1949 kehrte die junge Maria nach Siebenbürgen zurück. Von Januar 1945 bis Dezember 1949 waren insgesamt zwischen 70.000 und 80.000 Rumäniendeutsche verschleppt worden, wo sie als Reparation für die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiten leisten mussten, überwiegend in Bergwerken und Schwerindustriebetrieben in der Ukraine, aber auch im Kaukasus.

„Unsere Hochzeitsfeier mit etwa 30 bis 40 Leuten fand in meinem Heimatort Maldorf bei Schäßburg statt, auf dem Hof meiner Eltern“, erinnert sich die Siebenbürger Sächsin. „Es war sehr kalt an diesem Tag. Die standesamtliche Trauung war an einem Samstag, die kirchliche Trauung dann am nächsten Tag, am Ende des normalen Sonntagsgottesdienstes. Ich trug meine schwarze Tracht mit einer weißen Bluse und einem Schleier.“

Maria May hat zur Zeit des Kennenlernens als Küchenhilfe in einer Kantine gearbeitet, nach der Geburt der ersten Tochter Hilde, genannt „Hildi“, als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft. Die ersten zehn Monate war Maria May allein mit ihrem Baby, bis Wilhelm vom Militär entlassen wurde. In der ersten gemeinsamen Zeit musste sich die junge Familie zunächst ein eisernes Bett im Zimmer eines Freundes teilen, bis sie dann endlich eine eigene Wohnung bekamen. Lange konnten sie als Hausmeisterpaar im Rathaus arbeiten, Wilhelm May war auch Chauffeur des Bürgermeisters.

Maria und Wilhelm May bekamen noch eine zweite Tochter, heute sind sie zudem stolze Urgroßeltern des kleinen Jonathan, der im Frühjahr auch ein Geschwisterchen bekommt. Da die beiden Töchter schon vorausgegangen waren, kamen die Mays 1985 als Aussiedler nach Deutschland, 1986 schließlich nach Oberasbach. „Es gefällt uns sehr gut hier.“ Maria May war bis 1992 Mesnerin in St. Markus, bei dieser ehrenamtlichen Tätigkeit hat sie viele Leute kennengelernt.

„Wir haben immer gerne Gäste gehabt und Feste gefeiert. In der ersten Februar-Woche hatten wir immer gleich drei Anlässe: Erst war mein Namenstag, dann mein Geburtstag, und am 8. unser Hochzeitstag“, schmunzelt Maria May. Und so hat das Eiserne Paar auch den aktuellen großen Tag schon am Sonntag mit der ganzen Familie vorgefeiert, am 89. Geburtstag der Braut.

Die Mays meistern ihren Alltag in ihrer Altenberger Wohnung noch ganz eigenständig, pflegen gute nachbarschaftliche Beziehungen und sind als eifrige Zeitungsleser sehr interessiert an allem, was sich in Oberasbach tut. So wollte Wilhelm May auch von seiner Bürgermeisterin wissen, wann denn die Baustelle am Rathaus fertig sei. „Ende März sollte die neue Tiefgarage nutzbar sein, und im Sommer können wir dann hoffentlich die Altenberger Kirchweih auf dem neuen Rathausplatz feiern, der jetzt gerade angelegt wird“, berichtet Birgit Huber.

Was das Geheimnis ihrer langen, glücklichen Ehe sei? „Es war nicht immer leicht. Man muss sich streiten, aber immer auch wieder verkommen. Man darf nicht gleich auseinander laufen, wenn es mal schwer wird. Wir lieben uns immer noch, es ist immer noch schön miteinander“, lächelt der 87jährige Wilhelm May und streichelt die Hand seiner temperamentvollen Frau. „Wir sind nie im Streit zu Bett gegangen, er hat immer am Ende des Tages nachgegeben“, ergänzt Maria May mit einem Augenzwinkern.

Herzliche Glückwünsche zur Eisernen Hochzeit, liebes Ehepaar May!


++++++++++++

Zum Tag der Verschleppung von Maria May und den anderen Maldorfern gibt es Aufzeichnungen des dortigen Pfarrers Karl Ungar: „[…] in den frühen Morgenstunden des 17. Januar 1945, nachdem sich unsere Häscher zigmal davon überzeugt hatten, dass alle in den Listen vermerkten Dorfbewohner anwesend waren, führte man uns […] aus dem Saal. Jungen Müttern, die ihre Säuglinge noch einmal gestillt hatten, nahm man die Kinder und reichte sie den zurückbleibenden Großeltern bzw. Anverwandten. Im Schul- und Saalhof hatten sich alle älteren bzw. jüngeren sächsischen Dorfbewohner versammelt, um von den Ausziehenden Abschied zu nehmen. Als wir aus dem Saal hinausgedrängt wurden, stimmte ich unseren Glaubens-und Bekenntnischoral ‚Ein feste Burg ist unser Gott…‘ an und gleichzeitig begannen die Glocken vom Kirchturm zu läuten. Nicht wissend, was wir singen, versuchten die russischen Soldaten uns zum Schweigen zu bringen. Doch vergebens, weinend sangen wir den Choral zu Ende. Dann luden wir unsere Habseligkeiten auf Wagen, bildeten eine Kolonne und marschierten von den Bewaffneten eskortiert ab. Es sah aus, als ob besiegte Soldaten in Gefangenschaft geführt würden. Wenn wir auch keine Soldaten waren, in Gefangenschaft wurden wir trotzdem geführt. […]"

Kommentar hinzufügen
Felder mit * sind Pflichtfelder
Keine Kommentare
Wir sind für Sie da
Stadt Oberasbach

Rathausplatz 1
90522 Oberasbach

Fon: (0911) 9691 - 0
Fax: (0911) 693 174
stadt@oberasbach.de

Öffnungszeiten:

MO bis FR 8 - 12 Uhr

MI zusätzlich 13 - 18 Uhr