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Gegen das Vergessen: Gedenkfeier zum Volkstrauertag 2016


Am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, der Toten, Verwundeten und Traumatisierten und ihrer Angehörigen. Ebenso der von Gefangenschaft, Flucht oder Vertreibung Betroffenen. Und wir verneigen uns vor ihnen. Zu der von der Stadt Oberasbach und dem VdK-Ortsverband organisierten Gedenkzeremonie mit Kranzniederlegung am 13. November 2016 am Unterasbacher Friedhof kamen rund 50 Teilnehmer.

„Trauer ist ja zunächst eine sehr persönliche, sehr individuelle Angelegenheit, mit der jeder anders umgeht. Gemeinsam gelebte Trauer aber kann Kraft geben. Kraft, die wir nicht nur am Volkstrauertag brauchen, sondern immer. Kraft für die gemeinsame Aufgabe, weiter für Frieden und Freiheit einzustehen. Denn aufgrund unserer Geschichte sind wir Deutschen besonders dafür sensibilisiert, uns Faschismus aller Art, und damit etwa auch den IS-Terroristen oder Rechtsradikalen, entschieden entgegenzustellen“, so Oberasbachs Erste Bürgermeisterin Birgit Huber in ihrer Rede.

Nach dem von der 2. VdK-Vorsitzenden Margit Fischer vorgetragenen Totengedenken wurden am Ehrenmal Kränze der Stadt Oberasbach, des VdK, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Bundesverteidigungsministerin niedergelegt. Die Mahnwache übernahmen die Freiwillige Feuerwehr Altenberg, die BRK-Bereitschaft Oberasbach und Vertreter der Streitkräfte. Mit Fahnenabordnungen waren zudem die Schützengesellschaft Oberasbach und die Sudetendeutsche Landsmannschaft vor Ort.

Anschließend setzte die Pastoralreferentin Frau Dr. Melzer-Keller von der Kirchengemeinde St. Johannes in ihrer Ansprache noch einen Akzent auf das Streben um Frieden und Versöhnung. Für die musikalische Untermalung sorgten der Posaunenchor und die Blaskapelle Oberasbach. Vor der Gedenkveranstaltung am Unterasbacher Friedhof hatte bereits eine ähnliche Zeremonie am Kriegerdenkmal bei St. Lorenz in Alt-Oberasbach stattgefunden.

Herzlichen Dank allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern!

Der Volkstrauertag wurde durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zum Gedenken an die Kriegstoten eingeführt. Er ist ein Gedenktag des Innehaltens, der Einkehr und des Mitfühlens.

Den Bericht zur zentralen Gedenkstunde im Deutschen Bundestag lesen Sie hier.

Im Folgenden lesen Sie die Rede zum Volkstrauertag 2016 der Ersten Bürgermeisterin Birgit Huber, im Anschluss sehen Sie in einer Bildergalerie Eindrücke von der Gedenkfeier am Unterasbacher Ehrenmal:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
verehrte Anwesende,

zunächst einmal darf ich Sie alle ganz herzlich hier auf dem Unterasbacher Friedhof begrüßen. Vielen Dank, dass Sie zu unserer Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag am Ehrenmal gekommen sind!

Vor hundert Jahren tobte der Erste Weltkrieg auf seinem Höhepunkt. So war heuer im Februar das Gedenken an die Schlacht um Verdun, bei der über 320.000 deutsche und französische Soldaten starben und 400.000 verwundet wurden.

Am 31. Mai 1916 kam es zwischen den britischen und deutschen Kriegsflotten im Skagerrak zu einer der größten Seeschlachten der Weltgeschichte. Und in diesen Tagen vor 100 Jahren – im November 1916 – endete die Schlacht an der Somme, eine der längsten und verlustreichsten, die die Weltgeschichte bis dahin kannte. Die Liste der schrecklichen Jahrestage lässt sich fortsetzen: Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion jährte sich im Juni zum 75. Mal – er kostete Millionen deutscher und russischer Soldaten das Leben und brachte Leid und Tod über die Zivilbevölkerung. Im Jahr 1946, das ist jetzt 70 Jahre her, begann die systematische Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus den nunmehr russisch besetzten Gebieten. Zur gleichen Zeit waren noch unzählig viele deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft.

Viele Vertriebene sind schließlich auch in Oberasbach heimisch geworden. Kürzlich war ich zum Beispiel auf Geburtstagsbesuch bei Anna Witurka, die mit 101 Jahren die derzeit älteste Oberasbacherin ist. Die Sudentendeutsche aus dem böhmischen Graslitz erinnert sich noch lebhaft an die grauenvollen Jahre der Vertreibung gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie war damals allein mit ihrem fünfjährigen Kind, der Mann war noch in Kriegsgefangenschaft.  „Das war eine furchtbare Zeit, ich wusste nicht, ob mein Mann noch lebt. Unser Haus mussten wir innerhalb einer halben Stunde räumen, ich konnte nicht einmal einen Löffel mitnehmen. Wir hatten anfangs kein Bett, ich saß oft nächtelang wach und hielt mein kleines Mädchen im Arm“, erzählte sie mir. Und Schicksale wie das von Anna Witurka gibt es viele in Oberasbach.

Meine Damen und Herren,

Die beiden Weltkriege liegen lange zurück. Die Mitbürgerinnen und Mitbürger mit den persönlichen Erinnerungen sind mittlerweile in der Minderheit. Seit über 70 Jahren genießen wir Frieden, geordnete Verhältnisse und Freiheit. Uns geht es wirklich gut – wir hier in Deutschland und speziell im reichsten Bundesland Bayern leben auf hohem Niveau. Aber gerade deswegen ist dieser Tag einem ernsten und ewig wichtigen Thema gewidmet: Am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, der Toten, Verwundeten und Traumatisierten und ihren Angehörigen, und der Menschen, die von Gefangenschaft, Flucht oder Vertreibung gezeichnet sind. Und wir verneigen uns vor ihnen.

Haben die Menschen von den Ereignissen der beiden Weltkriege gelernt?
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben Millionen Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen bis heute ihr Leben gelassen. Ich habe den Eindruck, dass die Welt in den letzten zehn Jahren nicht zur Ruhe gekommen ist. Mit den Gewaltakten von Würzburg und Ansbach ist der IS-Terror diesen Sommer auch in Franken angekommen, immer öfter hören wir in den Nachrichten von vereitelten Anschlägen oder Festnahmen von IS-Drahtziehern hier bei uns in Deutschland. Ich denke auch an die rechtsextremen Demonstranten, die im Sommer dieses Jahres just an der ZAE Zirndorf demonstrieren wollten.

Die Nachrichten dieser Woche aus den USA tragen nicht zu einer Beruhigung bei. Insbesondere beunruhigt mich auch der ganze Medienhype und die Emotionalisierung um die Wahl des neuen US-Präsidenten Trump.
Aber auch im kommunalen Bereich ist zu beobachten, dass individuelle Interessen immer mehr in den Vordergrund geraten. Dass das sogenannte Gemeinwohl, das Eingehen von Kompromissen und der faire Ausgleich von Interessenskonflikten den Egoismen weichen.

Wir sollten – und das ist aktueller denn je – aus unserer Vergangenheit unsere Lehren für den Umgang miteinander auf allen Ebenen des Zusammenlebens ziehen.

Wir müssen aber ebenso bereit sein zu Vergebung und Versöhnung – auch im Hinblick auf die deutsche Geschichte. Kriege und Bürgerkriege, Terror und Gewalt überall auf dem Globus zeigen, dass eine Welt in Frieden und Freiheit leider noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Frieden und Freiheit – auch die persönliche Freiheit eines jeden Einzelnen von uns – werden uns nicht geschenkt, wir müssen weiter gemeinsam für sie arbeiten.

Fast 3.500 Bundeswehrkräfte tun genau das und beteiligen sich derzeit an Einsätzen im Ausland. Dabei operieren sie gemeinsam mit Soldaten der Bündnispartner und befreundeter Nationen. Sie engagieren sich im Kosovo, Sudan, Nordirak, Libanon, in Mali, Senegal, am Horn von Afrika, in Somalia, in der Türkei und am Mittelmeer. Allein 983 Bundeswehrangehörige sind in Afghanistan, davon übrigens 78 Reservisten. In Nahost kämpfen aktuell 472 deutsche Soldatinnen und Soldaten gegen den IS. Auch ihnen sollten wir am heutigen Tag unseren Dank und unsere Wertschätzung aussprechen. Generell verdienen „die Truppe“ und ihre Reserve größte Anerkennung.

Liebe Anwesende,

mit dem alljährlich begangenen Volkstrauertag wollen wir ein Zeichen setzen gegen das Vergessen. Denn Krieg ist in Deutschland gerade für junge Menschen oft total abstrakt geworden. Aber auch z.B. das Musical und der Film Mademoiselle Marie zeigen eindrucksvoll, wie auch auf anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens eine Aufarbeitung der Geschehnisse stattfinden kann.
Es freut mich außerdem, dass Außenminister Steinmeier und sein russischer Amtskollege Ende Juni dieses Jahres beschlossen haben, Archivunterlagen sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener und Internierter suchen und digitalisieren zu lassen. Die Koordination des Projektes auf deutscher Seite übernimmt der Volksbund, der sich heute unter anderem um die Pflege von Kriegsgräbern und die Umbettung von Kriegsopfern kümmert.

Vielleicht darf ich Sie in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass unsere Volkshochschule aktuell eine kleine Veranstaltungsreihe zum Thema Flucht und Vertreibung anbietet: In diesem Rahmen ist etwa am 28. November in der Mittelschule die Filmdokumentation „Böhmische Dörfer“ über die Geschichte der Sudetendeutschen zu sehen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir brauchen nicht nur Tage wie den Volkstrauertag, sondern auch Orte des Gedenkens. Das können Ehrenmale oder Soldatenfriedhöfe sein. Oder Spielplätze! Ja, Sie haben richtig gehört! Auf einem Spielplatz auf der Petershöhe gibt es jetzt einen Gedenkbaum für einen besonderen kleinen Kämpfer aus Oberasbach: den achtjährigen Oskar, der im März nach langen Leidensjahren an Krebs gestorben ist. Die Gedenkfeier für Oskar mit der Baumsegnung Ende Juli war für mich bestimmt das bewegendste Erlebnis in diesem Jahr. Über 130 Menschen sind hier zusammengekommen, um ihrer Trauer gemeinsam Ausdruck zu verleihen. Und so vielleicht auch den Angehörigen ein wenig Trost zu vermitteln.

Trauer ist ja zunächst eine sehr persönliche, sehr individuelle Angelegenheit, mit der jeder anders umgeht. Gemeinsam gelebte Trauer aber kann Kraft geben. Kraft, die wir nicht nur am Volkstrauertag brauchen, sondern immer. Kraft für die gemeinsame Aufgabe, weiter für Frieden und Freiheit einzustehen. Denn aufgrund unserer Geschichte sind wir Deutschen besonders dafür sensibilisiert, uns Faschismus aller Art, und damit etwa auch den IS-Terroristen oder Rechtsradikalen, entschieden entgegenzustellen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich schließen mit einem Zitat von Altbundespräsident Theodor Heuss: „Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe, Frieden zwischen den Menschen, Friede zwischen den Völkern.“

Ich danke Ihnen allen nochmals, dass Sie an diesem Vormittag hierher gekommen sind, um ein Zeichen zu setzen. Denn nur gemeinsam können wir die Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft wachhalten, und so auch Verständigung, Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern fördern und gerade auch die junge Generation dazu anhalten, für Freiheit und Demokratie einzutreten und sich zu engagieren. Herzlichen Dank und noch einen schönen Sonntag!


(Autor: sm)

 
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