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Heimatverein-Vernissage „Erzwungene Wege“ – Ausstellung in der Schreinerei Werner bis 24. März

Die ehemalige Produktionsstätte der Schreinerei Werner im Altort bietet den perfekten Rahmen für die Ausstellung.

Bürgermeisterin Birgit Huber, Edith Klein vom Heimatverein, MdL Petra L. Guttenberger, Franz Teletzky und BdL-Vizepräsident Christian Knauer (von links)

Noch bis 24. März ist die Ausstellung "Erzwungene Wege" in Oberasbach zu sehen!

Wie kommt es, dass die bundesweit gefragte Wanderausstellung „Erzwungene Wege – Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“ der BdV-Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ jetzt in Oberasbach Halt macht? Das ist Edith Klein zu verdanken. Die 2. Vorsitzende des Oberasbacher Heimatvereins hatte die beeindruckende Dokumentation zur erzwungenen Migration im letzten Sommer im Nürnberger Heimatministerium besucht, als Teil einer Trilogie. Und anschließend alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Schau zu uns zu holen. Noch bis 24. März ist die Ausstellung in der ehemaligen Schreinerei Werner in Alt-Oberasbach zu sehen.

Bei der Vernissage am 18. Februar 2017 mit rund 70 Gästen würdigte die Erste Bürgermeisterin Birgit Huber die Initiatorin nachdrücklich: „Nur dem Engagement und der Hartnäckigkeit von Edith Klein haben wir diese besondere Ausstellung zu verdanken. Sie hatte auch die großartige Idee, dafür diesen ungewöhnlichen Veranstaltungsort auszuwählen – und es gibt hier sogar eine Verbindung zum Thema Vertreibung, da die Familie des heutigen Firmeninhabers Karl Werner nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Sudetenland nach Oberasbach kam.“

Birgit Huber begrüßte unter den Gästen der Ausstellungseröffnung auch besonders Franz Teletzky. Der langjährige Vorsitzende des Ortsvereins der Sudentendeutschen Landsmannschaft war erst im Januar mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet worden. „Wussten Sie, dass es im Dezember 1948 in Oberasbach bei 3.698 Einheimischen 790 Flüchtlinge und Vertriebene gab? Das waren damals über 20 Prozent der Bevölkerung! So sind noch heute viele Familien in Oberasbach mit dem Schicksal der Vertriebenen verknüpft. Grund genug für unseren Heimatverein, seine Aktivitäten heuer unter das Jahresthema ‚Flucht und Vertreibung‘ zu stellen“, so Huber.

Hauptredner des Abends war Christian Knauer, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Altlandrat des Kreises Aichach-Friedberg, heute aktiv als Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BDV) und als bayerischer BdV-Landesvorsitzender. Die Ausstellung will auf 40 großformatigen Tafeln auf die vielfältigen Vertreibungen in Europa im 20. Jahrhundert aufmerksam machen. „Alle Vertreibungen haben eines gemeinsam: Man will sich missliebiger Bevölkerungsteile entledigen. Die Ausstellung hat nicht Totalitarismus, Nationalsozialismus oder Kommunismus zum Kernthema, da Vertreibungen nicht nur in solchen Systemen erfolgten, sondern auch in vermeintlich zivilisierten Herrschaftsformen oder gar durch den Völkerbund“, erläuterte Knauer.

Hauptursache für Vertreibungen im 20. Jahrhundert sei die Idee eines ethisch homogenen Nationalstaates, daneben auch Rassismus, Antisemitismus, und Nationalismus. In Europa wurden ca. 80 bis 100 Millionen Opfer von Vertreibung, in Deutschland gab es nach dem Zweiten Weltkrieg ca. 15 Millionen Menschen mit diesem Schicksal. Ende 1946 lebten in ganz Bayern 1,1 Millionen Sudetendeutsche und über zwei Millionen Vertriebene insgesamt. Zwar häuften sich Vertreibungen in Kriegs- und Nachkriegszeiten, aber auch in Friedenszeiten wurden Zwangsmigrationen von demokratisch gewählten Regierungen und der Völkergemeinschaft durchgeführt und gebilligt. Im Hinblick auf die aktuellen Bezüge des Themas appellierte Knauer abschließend: „Helfen Sie alle mit, dass unser freiheitlich-demokratisches Europa erhalten bleibt!“

Weitere Eindrücke von der Vernissage bekommen Sie hier.

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Eckdaten zur Ausstellung „Erzwungene Wege – Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“ in Oberasbach:

18. Februar bis 24. März 2017
jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag von 15 bis 19 Uhr
Sonntag von 11 bis 15 Uhr geöffnet
Schreinerei Werner
Albrecht-Dürer-Straße 63
90522 Oberasbach (Altort)
 
Eintritt frei.

Für Gruppen und Schulklassen kann die Wanderausstellung nach Absprache gerne auch außerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden (Rücksprache mit dem Heimatverein).

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Themenbereiche der Ausstellung:

- Der Zerfall des Osmanischen Reiches
- Bevölkerungsaustausch 1922/23 von Griechen und Türken
- Die Vertreibung der Juden Europas
- Zwangsumsiedelungen, Vertreibungen und Deportationen der Polen, Ukrainer und im Baltikum 1939 bis 1949
- Die Umsiedelung der finnischen Karelier
- Vertreibung und Verschleppung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges
- Vertreibungen als Folge des Zypern-Konflikts
- Kriege und Vertreibungen im ehemaligen Jugoslawien

Wichtige Definitionen:

Flüchtlinge: Menschen, die vor einer Gefahr geflohen sind, z.B. Rote Armee
Heimatvertriebene: Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben (ausgewiesen) und an ihrer Rückkehr gehindert wurden.
Asylanten: Menschen, die aus den verschiedensten Gründen verfolgt werden und in einem Drittstaat bis zur Abwendung der Gefahr Schutz genießen.

Hintergrundinformationen:

In der Wanderausstellung werden anhand von Texttafeln, Abbildungen, Fotografien und Landkarten sowie persönlichen Gegenständen und Zeitzeugenberichten die erzwungenen Wege von mehr als 30 Völkern Europas im 20. Jahrhundert nachgezeichnet. Es werden auch historische Vorgänge dargestellt, die in Deutschland und im übrigen Europa weniger bekannt sind. Sie verdeutlichen, dass Vertreibungen im 20. Jahrhundert als gesamteuropäisches und nicht nur europäisches Phänomen zu betrachten sind. Dokumentiert werden sowohl gemeinsame als auch unterschiedliche Ursachen, Auswirkungen und Folgen von Vertreibung.

Erwähnung finden Ereignisse, beginnend mit dem Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915 über die Vertreibung der Juden in Deutschland ab 1933 und die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges bis hin zu den Kriegen um das zerfallende Jugoslawien in den Jahren um 1990. Neben menschlichen Tragödien werden auch kulturelle Verluste aufgedeckt.

Die Ausstellung durchmisst zeitlich und räumlich das Europa des 20. Jahrhunderts. Nie zuvor waren so viele Menschen gezwungen, ihre angestammte Heimat zu verlassen. Das Vertreibungsgeschehen ist eng verknüpft mit der Geschichte der Nationalstaaten. Meist waren es ethnopolitische Gründe, die Staaten veranlassten, Minderheiten aus ihrem Gebiet zu verjagen.

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