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1. Oberasbacher Bürger-Workshop zum „Erlebnisweg Wallensteins Lager“

Peter Neudert von Impuls Design

Sven Klomp von Impuls Design

Wie lässt sich das wohl größte Feldlager der Militärgeschichte und damit eine wichtige Episode im 30jährigen Krieg modern und mit allen Facetten erfahrbar machen? Und wie genau kann sich Oberasbach beim interkommunalen Projekt „Erlebnisweg Wallensteins Lager" mit den Nachbarstädten Stein und Zirndorf positionieren, welche Alleinstellungsmerkmale gibt es?

Beim 1. Bürger-Workshop der Stadt Oberasbach am 4. Juni 2018 im Sitzungssaal des Rathauses konnten knapp 30 Teilnehmer ihre Ideen für Oberasbach einbringen – unter ihnen eine pensionierte Museumspädagogin des Germanischen Nationalmuseums, ein Arzt, der über Militärgeschichte promoviert hat, ein passionierter Wanderer, viele geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger, mehrere Lehrer und Schülerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums sowie mehrere Oberasbacher Stadträte. Über drei Stunden lang rauchten bei schweißtreibenden Temperaturen die Köpfe. Peter Neudert und Sven Klomp von der Erlanger Agentur Impuls Design, die mit der Konzeption und Realisierung des Erlebnisweges beauftragt ist, leiteten den Workshop. Los ging es nach der Einführung durch Erste Bürgermeisterin Birgit Huber mit einer Vorstellungsrunde aller Teilnehmer. In einem Satz sollte jeder der Anwesenden seine Vision für das Projekt in einem Satz formulieren: „Ich möchte einfach etwas haben, das ich in Europa vorzeigen kann“, meinte etwa Arnold Lehmann vom Kulturverein, der die Städtepartnerschaften Oberasbachs pflegt. „Wir wollen jungen Leuten unsere Stadt näherbringen und auf Besonderheiten unserer Heimat aufmerksam machen“, so die Mission der drei Gymnasiastinnen. Einig war man sich schnell, dass sowohl die beeindruckenden Dimensionen und logistischen Aspekte des Lagers herausgearbeitet werden müssten, aber auch das massenhafte Sterben im Lager sowie das unsägliche Leid, das der Feldherr mit seinen Söldnern über die Bevölkerung v.a. im heutigen Stadtgebiet von Oberasbach gebracht habe. Genau hier könnte auch die spezielle Aufbereitung für Oberasbach ansetzen: „In Zirndorf und Stein haben sie einen Turm – aber wir haben die Menschen!“, auf diese Formel brachte es eine Teilnehmerin. Die Informationen sollen dabei am besten kontrastiv aufbereitet werden, also zum Beispiel eine Visualisierung der Versorgung der damals 80.000 Lager-Bewohner im Vergleich zu der der heute „nur“ 18.000 Einwohner  von Oberasbach. Interessant könnte auch die Gegenüberstellung von Funktionalitäten sein, wie „1632: Waffen- und Munitionslager“ vs. „Heute: Rathaus“.

Beim LEADER-geförderten Projekt „Erlebnisweg Wallensteins Lager“ der Städte Oberasbach, Stein und Zirndorf sollen entlang eines Weges rund um das Lager verschiedene Stationen errichtet werden, die auf Besonderheiten hinweisen, zum Mitmachen animieren oder über verschiedene Medien – das können auch Hörstationen oder eine App mit Augmented-Reality-Elementen sein – wichtige Informationen vermitteln.  Der Erlebnisweg soll in drei Themenwege mit jeweils einem eigenen Schwerpunkt unterteilt werden.

Wie könnte sich also nun Oberasbach einbringen? Im Gespräch waren beim Bürger-Workshop eine Aussichtsplattform auf dem Dach des Oberasbacher Rathauses als „Zentrum des Lagers“, eine Nachbau des mobilen Holzhauses von Wallenstein, vielleicht im zentralen „Grün für alle“ am DJK-Gelände, und möglicherweise noch ein Museum am Hölzleshof.  Zu den verspielten Ideen zählte eine Seilbahn quer durch den Asbachgrund. Bei einem zweiten Workshop Anfang Juli, zu dem die Teilnehmer der ersten Runde eingeladen sind, können dann die bisher erarbeiteten Vorstellungen und Visionen verfeinert und Prioritäten gesetzt werden.

Hintergrund:

Einer der wichtigsten historischen Schauplätze des Dreißigjährigen Krieges, der vor 400 Jahren begann, befindet sich vor den Toren Nürnbergs: Die Rede ist von Wallensteins Lager. Am 17. Juli 1632 schlug der böhmische Feldherr Albrecht von Wallenstein mit rund 80.000 Menschen und 15.000 Pferden ein Lager von rund 20 Kilometern Umfang auf dem heutigen Gebiet der Städte Oberasbach, Stein und Zirndorf auf. Für dieses wohl größte Feldlager der Militärgeschichte wurden u.a. 13.000 Bäume gefällt. Zu den 50.000 Söldnern kam ein Tross von weiteren rund 30.000 Menschen: Familienangehörige, Händler, Gaukler und auch Prostituierte, die ebenfalls im Lager untergebracht waren – schnell herrschten dort Krankheiten und Hunger, die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Der Kontrahent des Katholiken Wallenstein, der protestantische Schweden-König Gustav II. Adolf, hatte sich derweil in Nürnberg verschanzt.

Mit seinem Lager wollte Wallenstein die schwedischen Truppen blockieren – mit Erfolg. Gustav Adolf versuchte aus seiner Blockade auszubrechen und mit der Schlacht an der Alten Veste Zirndorf zurückzuschlagen. Doch der Versuch misslang. Zurück blieben zwei Truppen, die nach einer unentschieden geendeten Schlacht herbe Verluste einbüßen mussten. Schnell zeigten sich weitere Schattenseite des gigantischen Lagers: Die Soldaten plünderten die Dörfer rund um das Lager und fielen wie die Heuschrecken in die Region ein. Beim Abzug der Truppen nach 70 Tagen gingen neben den Lagerunterkünften auch alle Dörfer in Flammen auf. Es sollte Generationen dauern, bis sich die einheimische Bevölkerung von diesem Trauma erholte.

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Videotipp:

Der Bayerische Rundfunk hat im Mai einen Beitrag über den 30jährigen Krieg rund um Nürnberg, Zirndorf, Oberasbach und Stein gedreht. So wird z.B. über eine Führung an der Alten Veste und den Hainberg berichtet. Der Beitrag kann hier in der Mediathek abgerufen werden (ca. ab 19' min.).

Weitere Informationen zum interkommunalen Projekt "Erlebnisweg Wallensteins Lager" finden Sie hier.

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