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Neben der Katastrophe wächst das Menschliche.

Foto: (c) Stadt Oberasbach

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"Aus den Trümmern zweier Weltkriege wächst ein geeintes Europa. Eine grandiose Leistung, denn Europa reicht sich seit nunmehr über 70 Jahren die Hände", so der Zweite Bürgermeister Norbert Schikora bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Unterasbach.

100 Jahre nach dem Abschluss des Friedensvertrages von Versailles, der den Ersten Weltkrieg beendete, gedachten am Volkstrauertag auch in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger Oberasbachs der Opfer von Krieg und Gewalt.

In Vertretung der anwesenden, aber an der Stimme stark lädierten Ersten Bürgermeisterin Birgit Huber, begrüßte der Zweite Bürgermeister Norbert Schikora neben den Bürgerinnen und Bürgern besonders Herrn Pfarrer Michael Grober von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Stephanus in Unterasbach sowie Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehr Altenberg, des Roten Kreuzes und der Schützengesellschaft Oberasbach gemeinsam mit Abordnungen der Reservistenverbände der Bundeswehr und Mitglieder des Sozialverbandes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Würdevoll untermalt wurde die Veranstaltung durch den Posaunenchor Algebrass unter der Leitung von Johannes Fuchs.

"Heute, am Volkstrauertag, gedenken wir der Männer, Frauen und Kinder, die an Krieg, Gewalt und deren Folgen gelitten haben und noch heute leiden. Wir gedenken der gefallenen Soldaten aller Nationen und besonders derer aus Oberasbach. Wir gedenken all jener, die ihr Leben ließen, die verfolgt und vertrieben wurden und heute noch werden. Wir gedenken auch derer, die den Mut hatten, gegen Unrecht und Gewalt aufzustehen und dafür mit dem Leben bezahlten." so Norbert Schikora in seiner Ansprache.

"Wir dürfen heute in Frieden leben und leben doch inmitten von Krieg, weil wir uns einer ganz neuen Herausforderung gegenübersehen." Doch was sei neu, fragte der Zweite Bürgermeister. Krieg und Vertreibung habe es schon immer gegeben. Nur sei die gestiegene Interaktion zwischen Menschen verschiedener Herkunft, Kulturen, Sprachen und Religionen durch die Globalisierung zu einer der größten Herausforderungen geworden. Ein Spannungsfeld zwischen bereichernden Aspekten des Lebens und Fragestellungen nach vermeintlich vormaliger Homogenität der Gesellschaft sei entstanden. Dies bedürfe dringend einer intensiven und informierten Diskussion wie die internationale Gemeinschaft mit dieser Vielfalt umgehen solle. "Denn die Bedrohung für Frieden und Stabilität liegt heutzutage in den heraufziehenden innergesellschaftlichen Konflikten."

Dafür seien Ansätze und Normen zu entwickeln, die eine Koexistenz vielfältiger kultureller und ethnischer Gemeinschaften innerhalb einer Gesellschaft ermöglichten. Dafür seinen unser Föderalismus und unsere Gewaltenteilung ebenso bewährte Bausteine wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaat. Deutschland sei also ein vorzeigbares Beispiel, dass es gelingen könne. Ebenso wie Europa.

Das Rote Kreuz und letztlich die Genfer Konvention, ein Sinnbild der Menschlichkeit, sei aus den schrecklichen Erfahrungen des Krieges entstanden. Das zeige uns, dass das Menschliche neben der Katastrophe wachse, so wie das Friedensprojekt Europa aus den Trümmern der Weltkriege gewachsen sei.

"Europa ist ein Versuchslabor für die ganze Welt, dass ein Miteinander gelingen kann." Das habe sich auch in der Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Ohlau gezeigt. Aus eigener Erfahrung konnte der Zweite Bürgermeister Norbert Schikora berichten, dass der erste Besuch in Ohlau nicht einfach war, weder für die Polen, die unter den Deutschen gelitten hatten, noch für die vertriebenen Schlesier, die an Häusern und Gärten vorbeigefahren sind, "die praktisch so dalagen, wie sie sie damals verlassen hatten." Doch tags drauf sei die Partnerschaft besiegelt und gefeiert worden. "Zwei Ereignisse, die Sinnbild sind für Gedenken und Versöhnungsarbeit" wie sie am Volkstrauertag thematisiert werde. "Sinnbild für Schwierigkeit und Hoffnung", ein schwieriger Prozess, der dennoch gelinge.

Norbert Schikora schloss mit einer afrikanischen Lebensphilosophie, "UBuntu", die der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu folgendermaßen erklärt habe:

"Ich brauche dich, um ich selbst sein zu können.
Genauso wie du mich brauchst, um du selbst sein zu können.
Auf diese Weise sind wir miteinander verbunden.

Dies ist so, weil ich sonst nicht wüsste,
wie man als Mensch spricht,
wie man als Mensch aufrecht geht,
wie man als Mensch denkt.

All diese Dinge lerne ich von anderen Menschen.
Deshalb brauche ich tatsächlich andere Menschen, um selbst Mensch sein zu können."

Herzlichen Dank an alle, die an dieser Veranstaltung teilgenommen haben und zum würdevollen Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt beigetragen haben.

 

 

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