Zauneidechsen am Bahndamm

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Als Helmut Willert vor mehr als 50 Jahren als Bub angefangen hat, die Bestände der Zauneidechsen in Oberasbach, damals noch im Rahmen eines Schulprojektes am Hainberg, zu zählen, fanden sich diese Reptilien noch recht zahlreich. Heute schätzt er die Bestände vielleicht noch auf 3% der damaligen Populationen.

„Zauneidechsen siedeln sich dort an, wo sich ihnen Lebensräume bieten“, sagt Willert bei einem Vor-Ort-Termin oberhalb des neuen D-Platzes im Hans-Reif-Sportzentrum. „Hier entlang der Bahnstrecke Nürnberg-Crailsheim sind diese Lebensräume derzeit noch vorhanden.“ Und diese zu erhalten, hat er sich zur Aufgabe gemacht.

Oberhalb des neuen D-Platzes schafft die Stadt Oberasbach derzeit Ausgleichsflächen, die gleichzeitig Schutzräume unter Felsbrocken und die Chance auf ein ausreichendes Nahrungsangebot an Insekten für die inzwischen selten gewordenen Reptilien geben sollen. Dabei, so ist Willert aufgefallen, kamen die Baumaschinen zu dicht an die Gelege der Eidechsen unterhalb des Bahndammes heran, so dass die gut gemeinten Arbeiten beinahe den Nachwuchs gefährdet hätten.

Auf seinen Hinweis hat das Bauamt umgehend reagiert, und den für die im September schlüpfenden Jungtiere lebenswichtigen ca. drei Meter breiten Schutzstreifen abgesperrt und so die Gelege gesichert.

„Artenschutz ist in den Planungsverfahren ein wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, umso erfreulicher ist es für uns, wenn wir -wie in diesem Fall- so kurzfristig und unmittelbar unseren Beitrag zur Rettung der aktuellen Gelege der Zauneidechsen leisten konnten“, begründet der Stadtplaner Stefan Joffroy das Eingreifen des Bauamtes, „erst recht, wenn das durch so kleine Hilfestellungen möglich ist.“

Die Zauneidechse zählt zu den stark gefährdeten Arten in Deutschland und wurde zum Reptil des Jahres 2020 gewählt. Die Eier liegen relativ dicht unterhalb der Erdoberfläche, damit sie durch die Sonneneinstrahlung gewärmt werden. Zweimal im Jahr schlüpfen pro Gelege zehn Jungtiere, von denen in der Regel eines überlebt, da sie insbesondere bei Vögeln auf dem Speiseplan stehen. Der Rückgang im Insektenbestand und somit potenzieller Nahrung gefährdet die Zauneidechse weiterhin. Helmut Willert schätzt, dass im Bereich des Bahndamms in Oberasbach derzeit noch ca. 50 Tiere leben.

Umso wichtiger war seiner Einschätzung nach das beherzte Eingreifen des Bauamtes zum Schutz dieser gefährdeten Art. „In unserem letzten Gespräch bat mich Birgit Huber, die Stadtverwaltung direkt anzusprechen, wenn sich eine Gefährdungslage ergibt“, so Helmut Willert. „Das habe ich getan und die Stadt hat sofort reagiert. So können die Bestände weiter geschützt werden.“

So hoffen wir, dass die im September schlüpfenden Jungtiere nicht übermäßig Opfer der Vögel werden und sich der Bestand stabilisieren kann.

Foto: (c) Helmut Willert Zauneidechse im Unterholz
Foto: (c) Stadt Oberasbach Zwischen Sportplatz und Bahndamm erstreckt sich die Ausgleichsfläche, links befindet sich der abgesperrte Streifen, der die Gelege der Zauneidechsen schützt.
Foto: (c) Stadt Oberasbach Solche Felsbrocken werden demnächst auf der Ausgleichsfläche verteilt, um den Eidechsen wärmende Flächen zum Sonnenbaden und Verstecken zu bieten
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