Kunst am Bau

Die Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach eG feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Erfreulich ist, dass das 2011 fusionierte Unternehmen inzwischen insgesamt 1.300 bezahlbare Wohneinheiten zur Verfügung stellt, die dennoch den Ansprüchen an modernes und umweltbewusstes Wohnen genügen. Erfreulich ist außerdem, dass den Verantwortlichen des Unternehmens das Thema „Kunst am Bau“ nach wie vor ein Herzensanliegen ist.

Seit den 1950er-Jahren hat in Deutschland "Kunst am Bau" Tradition und zählt zu den Bauherrenaufgaben bei öffentlichen Gebäuden. Circa ein Prozent der Baukosten werden pro Projekt veranschlagt, um Künstler zu  fördern. Dabei sollten die Malereien oder Skulpturen im öffentlichen Raum nicht nur Dekorationszwecken dienen, sondern dem Gebäude eine zusätzliches Profil und einen besonderen Charme verleihen. Ziel war und ist es, Menschen ins Gespräch zu bringen und Identifikation zu fördern.

Die Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach eG verfügt mit ihrer 100-jährigen Geschichte über etliche historische Kunstwerke in ihrem Altbaubestand, vor allem in Fürth. Dennoch soll auch Raum geschaffen werden für zeitgenössische Kunstwerke.

Restauration der Kunstwerke im öffentlichen Raum

In der sogenannten Nachkriegskunst findet man beispielsweise auf den Gebäuden der Wohnungsgenossenschaften häufig Szenen aus der Zeit des Wiederaufbaus: Handwerker mit Spaten und Eimer, Mütter mit Kindern und Menschen, die hoffnungsvoll miteinander ihre Zukunft anpacken. Manche Wandverzierungen stammen sogar noch aus den Anfängen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Bei Sanierungen verschwanden häufig solche Kunstwerke hinter dem neuen Putz. In jüngerer Zeit legt man allerdings wieder großen Wert auf die Pflege des historischen Bestands. So fand man beispielsweise in Fürth bei Renovierungsarbeiten sogar Verzierungen aus der Jugendstil-Epoche um 1900. Gut, wenn sich in solchen Momenten ein Restaurator vor Ort für den Erhalt dieser historischen Kleinode einsetzt.

Foto: (c) Ulla Drechsler
Foto: (c) Stadt Oberasbach
Foto: (c) Roland Breun
Foto: (c) Ulla Drechsler

Wandverzierungen in Unterasbach

Alle drei hier abgebildeten Kunstwerke befinden sich im Ortsteil Unterasbach.

An die Ursprünge des genossenschaftlichen Wohnens nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert ein Relief in der Blütenstraße 2b. Auf dem früheren Truppenübungsplatz am Hainberg begannen die Pioniere der ersten Stunde damals mit dem Bau von 40 Häusern und insgesamt 80 Wohnungen.  Über dem Eingang der ehemaligen Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft Unterasbach eGmbH zeigt das Relief die sieben Gründerväter bei der Arbeit. Erstellt wurde es 1959, der Künstler ist nicht bekannt.

Aus dem Jahr 1960 stammt das Wandgemälde auf der Giebelfassade am Lilienplatz 9. Die Sonnenuhr gilt in allen Kulturen als das erste Zeitmessinstrument. In der Formensprache der 50er- bzw. 60er-Jahre symbolisieren hier die jeweiligen Vögel den Wechsel von Tag und Nacht. Der  Künstler Hannes Wiedemann, ehemals Professor an der FH Nürnberg und freiberuflicher Dekorationsmaler und Restaurator, ist  bekannt für seine Wand- und Deckengemälde, die er für kirchliche oder kommunale Auftraggeber fertigte.

Dialog mit der Vergangenheit

Das Wallenstein-Gemälde des ungarischen Künstlers Belá Faragó ist das jüngste Wandgemälde in Oberasbach. Sie finden es, von Süden her kommend, auf dem 2018 mit 38 Wohneinheiten fertiggestellten Mehrfamilienhaus in der  Lilienstraße 7a.

In wochenlanger Feinarbeit entstand das quadratische Gemälde und erinnert an die Geschichte des 30-jährigen Kriegs. Wallensteins gigantisches Feldlager befand sich 1632 genau an der Stelle, auf der jetzt das Wohnhaus steht. Etwa 70 Tage verharrten auf dem heutigen Hainberg-Gelände 50.000 Soldaten und 30.000 Frauen, Kinder und Händler im größten Heerlager der Weltgeschichte. Dieser Krieg mit insgesamt sechs Millionen Toten brachte unendliches Leid und Unglück, die Folgen für Oberasbach und die Region waren verheerend. Dies gilt es immer neu zu erinnern.

Meine Kunstwerke sind vor allem auch ein Studium für kritische Geister, die Dinge hinterfragen und sich nicht mit schnellen Lösungen oder fix und fertigen Antworten zufriedengeben. Im Dialog aus der Vergangenheit und der Gegenwart entwickle ich eigene Ideen und Perspektiven.
Belá Faragó, Künstler