75 Jahre Friedhof Oberasbach
Vom Pacht-Gottesacker zum Aushängeschild der Stadt: Am 22. Juli 1951 wurde der Oberasbacher Friedhof eingeweiht. Zum Jubiläum blicken wir auf seine bewegte Geschichte zurück und laden zu einer kleinen Gedenkfeier ein.
Lange Zeit wurden die Verstorbenen aus Oberasbach auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde Zirndorf beigesetzt. 1941 teilte der Zirndorfer Bürgermeister der Gemeinde Oberasbach mit, dass der vorhandene Friedhof aus Platzgründen künftig keine weiteren Bestattungen aus Oberasbach aufnehmen könne. Die Gemeinde musste deshalb einen eigenen Friedhof anlegen. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück in Kriegszeiten erwies sich als schwierig. Die ursprünglich favorisierte Fläche gehörte der Faber-Castell’schen Güterverwaltung, die aber die Flächenabtretung ablehnte. Erst im Februar 1949 konnte nach langen Verhandlungen eine Fläche am ehemaligen Exerzierplatz am Hainberg gesichert werden. Der Nürnberger Gartenarchitekt Otto Naß wurde mit der Planung beauftragt. Am 22. Juli 1951 wurde der mit vielen Eichen und Birken bepflanzte Friedhof feierlich eingeweiht – zunächst allerdings auf einem Pachtgrundstück. Erst vier Jahre später konnte die Gemeinde das rund 16.650 Quadratmeter große Gelände erwerben, der Quadratmeterpreis lag bei 80 Pfennig. 1961 wurde der Friedhof um zusätzliche 2.150 Quadratmeter erweitert.Die ursprünglichen Gebäude aus dem Jahr 1951 entsprachen nach gut zwanzig Jahren nicht mehr den Anforderungen und wurden 1973 abgerissen. Nach Plänen des Oberasbacher Architekten Gottfried Ruf entstand für 1,4 Mio. Mark eine moderne Anlage mit Aussegnungshalle und Innenhof, die am 30. November 1974 eingeweiht wurde. Zwischen 2017 und 2018 wurde der Gebäudekomplex für rund 1,3 Mio. Euro umfassend energetisch saniert. Dabei wurden unter anderem Fenster, Heizung, Beleuchtung und Innenräume erneuert. Während der Bauzeit fanden die Trauerfeiern in der benachbarten Kirche St. Stephanus, die es seit 1965 gibt, statt.
Der ca. zwei Hektar große neue Teil des Friedhofs wurde 1980 eröffnet. Der damalige Gemeinderat hatte Exkursionen u.a. nach Haßfurt und Ochsenfurt unternommen, um sich Inspiration zu holen, denn gewünscht war ein „etwas anderer, ein grüner Friedhof“ mit geschwungenen Wegen. Maßgeblich war hier Leonhard Schuster, Oberasbachs Standesamtchef von 1974 bis 2010. Die Planungen für sein „Herzensprojekt“ mit Landschaftsarchitekt Stadelmann begannen 1978, stark eingebracht hat sich hier auch der damalige Stadtgärtner Hans Lischerong – ihm sind u.a. die vielen Akazien auf dem neuen Teil zu verdanken. Großes Unterscheidungsmerkmal zum alten Teil von 1951 ist die Größe der Gräber: Maß z.B. ein Familiengrab auf dem alten Friedhof 1,00 x 2,00m, waren es auf der neuen Fläche nur noch 0,7x1,40m. Zugleich wurde der Abstand zwischen den Gräbern vergrößert, um eine parkähnliche Anmutung zu erhalten – was deutlich mehr Pflegeaufwand für die Gemeinde bedeutete. Zum neuen Konzept gehörten auch Streifenfundamente aus Beton, die das Absenken der nun verdübelten Grabsteine verhindern. Neu waren hier auch die in Schusters Dienstzeit eingeführten Urnennischen – man hatte sich bewusst gegen die vielerorts populären Urnenwände entschieden. „Der neue Friedhofsteil wurde schnell von der Bevölkerung angenommen und als schön empfunden. Uns ging es darum: Der Friedhof ist Aushängeschild der Stadt, denn bei Bestattungen kommen viele Trauergäste von außerhalb – und gehen mit einem sehr positiven Eindruck. Auch deshalb ist es so wichtig, dass hier alles gepflegt ist“, erinnert sich Leonhard Schuster. Dieser Leitlinie fühlt sich auch die aktuelle Standesamtleiterin Angela Weisel verpflichtet.
Während früher vor allem klassische Familiengräber das Bild prägten, wünschen sich heute viele Menschen andere Formen der Bestattung. Die Stadt Oberasbach hat auf diese Entwicklung reagiert und ihr Angebot in den vergangenen Jahrzehnten erweitert. Neben Erd- und Urnenbestattungen gibt es seit 2008 Urnenstelen, die inzwischen aufgrund der großen Nachfrage mehrfach erweitert wurden und heute 420 Urnennischen umfassen. Seit 2012 sind Baumbestattungen mit derzeit 128 Grabplätzen möglich. Besonders gelungen ist die 2019 angelegte „Urnenwiese am Bach“ mit ihrem künstlichen Bachlauf (siehe Titelbild), die derzeit 270 Grabplätze bietet – eine Erweiterung auf 350 Plätze ist geplant. Anonyme Urnenbestattungen auf der Wiese im Atrium werden seit 2011 angeboten. Künftig soll außerdem das Reihengrab „plus“ eingeführt werden, bei dem die Beisetzung in einer Wiesenfläche erfolgt, deren Pflege vollständig von der Stadt übernommen wird. Eine klassische Grabanlage erfolgt hier nicht.
Am Kriegsgräberdenkmal findet jedes Jahr im November die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag statt. Zu Allerheiligen lädt die Stadt zu einer Feierstunde im Atrium der Aussegnungshalle ein. Eine Besonderheit ist die historische Friedhofsglocke. Sie stammt aus dem Jahr 1584 und gehörte ursprünglich zum Geläut der Kirche St. Lorenz.
Seit vier Jahren bereichert zudem das von Ehrenamtlichen geführte Café Friedrich direkt am Friedhof die Anlage. Es ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden und bietet Raum für Begegnungen und Gespräche – ein Zeichen dafür, dass Friedhöfe heute nicht nur Orte der Trauer, sondern auch des Erinnerns, der Gemeinschaft und des Lebens sind.
Apropos: Wussten Sie, dass direkt neben dem Café-Eingang bei den Stufen zur Aussegnungshalle ein rund um die Uhr erreichbarer Defibrillator hängt?
Jubiläumsfeier am 22. Juli
Die Stadt Oberasbach lädt am Mittwoch, 22. Juli alle Interessierten ein zu „75 Jahre Friedhof Oberasbach“. Nach der Begrüßung durch Ersten Bürgermeister Thomas Diebenbusch und Grußworten der Kirchengemeinden bietet die Stadt Führungen über den Friedhof an. Start ist hier die Aussegnungshalle. Im Anschluss soll es Kaffee & Kuchen geben, bei schönem Wetter im Atrium. Die musikalische Untermalung übernimmt freundlicherweise der Posaunenchor St. Lorenz.
Herzlich willkommen!
Die beiden Oberasbacher Radrikschas stehen ab 13.00 Uhr für einen Shuttle-Service ab Treffpunkt Alte Post bereit – Reservierung unter 0911 801 937 19 oder rikscha@oberasbach.de.
Termin: Mi, 22.07.2026, 13.30 Uhr; Start: Aussegnungshalle





