Der Ai Weiwei der Stadtgärtnerei geht in Rente

Nach 23 Jahren, in denen er das Stadtbild von Oberasbach mit seinen fantasievollen Kreationen entscheidend mitgeprägt hat, geht Jürgen Rißler vom Stadtgärtnerei-Team unseres Bauhofs zum Ende des Jahres in Rente.
Die Osterhasen im Karottenauto oder -flieger, die Feuerwehrkutsche mit Feuerwehrmann auf der Leiter am Kreisverkehr im Altort zum 125-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Oberasbach, die Wunschmühle von Weihnachtsengeln mit Geschenke-Förderband: Die Stadtdekorationen von Jürgen Rißler erzählen Geschichten und punkteten schon immer mit nachhaltigen „Upcycling“-Ideen wie ausrangierten Spieltürmen. Und sie sind eine Besonderheit unserer Kommune, an der sich viele Oberasbacherinnen und Oberasbacher erfreuen. Das letzte größere Projekt des gelernten Landschaftsgärtners ist die aktuelle Weihnachtsdekoration im Stadtgebiet, die er zusammen mit Heike Sättler umsetzte.
Sein Talent für originelle „Installationen mit Pflanzen“, wie er seine Stadtdekorationen mit Materialien aus Holz, Stein oder Metall und zahlreichen Fundstücken, eigens organisierten Leihgaben oder Selbstgebautem nennt, fand auch in der Presse seinen Nachhall: „Ich wurde in einem Zeitungsartikel mal mit dem chinesischen Konzeptkünstler Ai WeiWei verglichen, für die Pyramide aus über zehn Fahrrädern am Kreisel in der Bachstraße – das hat mir schon sehr gefallen“, erinnert sich der kunstinteressierte Jürgen Rißler schmunzelnd. Der Bildhauer und Systemkritiker Weiwei wurde bei uns v.a. durch seinen Auftritt 2007 auf der documenta bekannt und gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart.
„Oberasbach war lange Zeit ‚meine‘ Stadt, obwohl ich eingefleischter Nürnberger bin. Mein Beruf ist mein Hobby, das war immer schon so. Ich habe mich immer sehr mit meiner Arbeit identifiziert. Meinen Kollegen Ahmet Yildirim und zwei neue Kolleginnen werde ich wirklich vermissen. Was mir außerdem fehlen wird, sind die Oberasbacher Bürgerinnen und Bürger. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung zu meiner Arbeit waren zu rund 90 Prozent positiv oder sogar sehr begeistert“, so der 64-Jährige.
Sein Vermächtnis macht aber weit mehr aus als die populären Stadtdekorationen. Von 2001 bis 2009, in seiner Zeit als Stadtgärtner, hat Jürgen Rißler zusammen mit den zuständigen Referentinnen mehrere Spielplätze geplant, z.B. den in der Frühlingsstraße, das „Land der Riesen“ auf der Petershöhe und den Wallenstein-Spielplatz in der Steiner Straße. Entscheidende Impulse hat er auch für das Pflanzkonzept und die Geländemodellierung für den 2019 nach Umbau wiedereröffneten Weltraumspielplatz in der Linder Siedlung gegeben. Ab 2001 hat er die Grünanlage am Hans-Reif-Zentrum mitgeplant, er hat das sogenannte „Biotop“ in Rehdorf mitkonzipiert und -gebaut und den Willy-Brandt-Platz gestaltet. Auch die 2008 eingeweihte Stelenanlage mit Urnenkammern am Friedhof trägt seine Handschrift. Besonders stolz ist er auf die ungewöhnliche neue Grünanlage am Friedhof vor dem Café Friedrich.
Jürgen Rißler hätte noch so viele Ideen, etwa für Dachbegrünungen im Rathausumfeld oder ein Oberasbach-Puzzle in allen Ortsteilen. „Ich habe im Stadtgärtnerei-Team ‚Geheimtipps‘ weitergegeben, z.B. wo man günstig Stroh für die Weihnachtsdekorationen herbekommt. Ich hoffe, dass mein über die Jahre aufgebauter Fundus an selbstgebauten oder in der Freizeit zusammengesammelten Requisiten im Bauhof erhalten bleibt.“
Was er im Ruhestand so vor hat? „Ich werde es genießen, dass ich dann keinen Winterdienst mehr habe“, lacht Jürgen Rißler. Besonders freut sich der zweifache Vater aber darauf, bald mehr Zeit für seine kleine Enkelin zu haben. Und für seinen Garten, in dem immer noch die Spieleisenbahnbrücke steht, die er als Kind gebaut hat.
Vielen Dank, lieber Jürgen Rißler, für die vielen Oberasbacher Schmuckstücke und alles Gute!