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Der lange Weg von der „Gmaa“ zur Stadt

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In diesem Jahr feiern wir „30 Jahre Stadt“. Die Stadterhebung am 30. April 1994 war keine simple Formsache, sondern das Ergebnis jahrelanger Vorarbeit und teils dramatischer Ereignisse. Eine große Rolle spielten dabei die Gemeindegebietsreform von 1972 und das mit der Einweihung des Rathauses ab 1980 entstehende neue Zentrum.

„Bevor Oberasbach zur Stadt wurde, musste es erst um seine Existenz kämpfen.“ Damit eröffnete Markus Träger am 16. Januar seinen vhs-Vortrag im Sitzungssaal des Oberasbacher Rathauses. Tief war der Geschäftsleitende Beamte der Stadt dafür abgetaucht in das Archiv Oberasbachs und hatte spannende Hintergrundinfos und Zeitdokumente zu Tage gefördert, die er den 45 Zuhörern gemeinsam mit seinem Co-Referenten Simon Rötsch vom Oberasbacher Heimatverein in einem unterhaltsamen Schlagabtausch präsentierte.

Der Kampf um die Selbstständigkeit

Bereits ab 1971 wurde das Aufgehen Oberasbachs in Nürnberg oder Fürth angedacht, wogegen sich der damalige 1. Bürgermeister Hans Raab und der Gemeinderat heftig wehrten. Mit Beginn der Gemeindegebietsreform im Landkreis Fürth 1972 wurde die Selbstständigkeit Oberasbachs noch von einer weiteren Seite bedroht: Denn Zirndorf wollte sich den Nachbarort einverleiben, der Ende 1974 mit 13.493 Einwohnern nur 246 weniger hatte und mit 10 Quadratkilometern Fläche sogar größer war. Oberasbach plädierte dagegen für ein Zusammengehen mit Rehdorf, Lind und Anwanden. Wolfgang Winkler, Regierungsvizepräsident von Mittelfranken, heizte die Diskussion an mit seiner Einschätzung, Oberasbach sei „eine Schlafstadt, die zu den abscheulichsten gehört, die wir haben“. Die Regierung wollte eine Einheitsgemeinde aus Oberasbach, der Stadt Zirndorf, Leichendorf, Bronnamberg und Weinzierlein. Der Zirndorfer 1. Bürgermeister Virgilio Röschlein verfasste eine 32-seitige Erklärung, warum eine Einheitsgemeinde „ein großes Gewicht in unserem Raum" hätte. Der Oberasbacher Gemeinderat stimmte jedoch in zwei Sitzungen jeweils einstimmig für die Selbstständigkeit. Im August 1975 gab es sogar eine aufwendige schriftliche Bürgerbefragung, bei der mit trotz Ferienzeit guter Beteiligung 89 Prozent für die weitere Selbstständigkeit Oberasbachs votierten. „Zirndorf hat das irrsinnig gewurmt und nichts unversucht gelassen“, so Markus Träger in seinem Vortrag.

Mit zahlreichen Zeitungsartikeln, Fotos und Original-Dokumenten, z.B. von der Bürgerbefragung, machten Markus Träger und Simon Rötsch diesen Kampf anschaulich. Das Bayerische Innenministerium verlangte damals von einer „leistungsfähigen Gemeinde der Zukunft" u.a. eine Bauleitplanung für die Gemeindeentwicklung, eine zentrale Wasserversorgungsanlage, Feuerschutz, kulturelle Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Spielplätze, Turnhalle, öffentliche Bücherei, einen Friedhof sowie eine leistungsfähige Verwaltung – all das konnte die „Schlafstadt“ Oberasbach bereits vorweisen. Im November 1975 war der Streit mit Zirndorf durch ein Machtwort aus München schließlich beigelegt, Oberasbach durfte bestehen bleiben und sich obendrein um Rehdorf erweitern.

Ein neues Ortszentrum muss her

Klar war zu diesem Zeitpunkt schon länger: Die aus mehreren Dörfern bestehende Gemeinde Oberasbach braucht ein neues Zentrum. Der erste Entwurf eines Planungsbüros von 1972 fiel in der Bürgerversammlung durch. „Da wurde groß gedacht“, schmunzelte Markus Träger, denn der Entwurf sah siebengeschossige Hochhäuser für das neue Zentrum vor sowie einen auf 30.000 Menschen angelegten Flächennutzungsplan – heute sind es 18.000. 1974 gab es dann einen Architekten-Wettbewerb unter dem Motto „Vier Orte werden eine Stadt". Der Gewinnerentwurf war schon sehr nah an der schließlich umgesetzten Fassung, plante allerdings z.B. noch einen Erweiterungsbau des Rathauses, ein Bürgerhaus und ein Hallenbad auf der heutigen sogenannten „Festwiese“. 1978 wurde mitten auf einer riesigen Ackerfläche der Grundstein für das neue Oberasbacher Rathaus mit seiner markanten achteckigen Form gelegt, mit seiner Einweihung 1980 entstand allmählich ein neues Ortszentrum.

Endlich Stadt!

In den Unterlagen zum Wettbewerb hieß es: „Die Stadtgestalt des Zentrums selbst ist [...] von großer Bedeutung für die Bildung eines Stadtbewußtseins." Dennoch gab erst ein Artikel von der Jungen Union 1988 mit dem Titel „Die Zeit ist reif! Oberasbach kann Stadt werden“ neue Impulse – der Autor war Lothar Schmitt, Gemeinderat seit 1978 und noch heute Stadtrat. Es setzte sich spätestens jetzt immer mehr das Bewusstsein durch, dass man als Stadt nicht so schnell geschluckt werden könne. Dies führte 1992, Oberasbach hatte inzwischen über 16.000 Einwohner, zum Gemeinderatsbeschluss zur Antragsstellung. Der damalige 1. Bürgermeister Andreas Güllering fuhr persönlich ins Innenministerium nach München, um bei Staatsekretär Dr. Günther Beckstein, ab 1993 bayerischer Staatsminister des Innern, vorzusprechen. Zwar gab es Bedenken wie die, dass Oberasbach keine Arbeitsstadt sei und ihr ein größeres Gewerbegebiet fehle, aber am 10. November 1993 kam Beckstein nach Oberasbach, um die frohe Kunde zu überbringen: Oberasbach kann Stadt werden! Ein Eintrag ins Goldene Buch zeugt von diesem denkwürdigen Tag. Am 30. April 1994 war es dann soweit: In der Aula des heutigen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums konnte der Festakt zur Stadterhebung stattfinden. „Eigener Leistung und nicht fremder Gnade bedarf es heute, um zur Stadt ernannt zu werden", fasst Erster Bürgermeister Andreas Güllering in seiner Rede zusammen. Anschließend und am nächsten Tag wurde im Festzelt auf der Wiese am Rathaus zünftig weitergefeiert.

Und welche rechtlichen Vorteile hat dieser Titel nun eigentlich? „Keine!“, verriet Markus Träger zum Ende seines Vortrags lachend. „Es hat viel Spaß gemacht, den verschlungenen Weg von der ‚Gmaa‘ zur Stadt nachzuzeichnen“, schloss Simon Rötsch.

Weitere Infos zu „30 Jahre Stadt Oberasbach“ finden Sie auf www.oberasbach.de/jubilaeumsjahr-2024!

Gelber Flyer mit dem Titel Selbständigkeit Oberasbach Versäumen sie ihre Chance nicht!
ein leicht vergilbtes Foto des Rathauses. Links und rechts finden sich noch keine weiteren Bauten.
Schwarzweiß-Foto von Beckstein (links) und Güllering. Güllering hält die Urkunde zur Stadterhebung hoch. Vor Beckstein steht ein Mikrofon.
Schwarzweiß-Foto eines Blicks in ein Bierzelt. An der Rückwand hängt eine Tafel mit der Inschrift Stadterhebung Oberasbach 30.4.1994. Daneben das Obearsbacher Wappen.
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