Ehrenamt in Oberasbach: Zertifizierter Pilzsachverständiger Stefan Schneider
Wenn Kinder Pilze entdecken, stecken sie diese schon mal in den Mund. Meist geht alles gut. Sollte aber ein giftiges Exemplar darunter sein, klingelt Stefan Schneiders Telefon. Seit vielen Jahren ist der Oberasbacher Amtsbote als zertifizierter Pilzsachverständiger im Verzeichnis der Münchner Giftzentrale gelistet.
„Ich helfe gern mit meinem Wissen“, erklärt der 55-Jährige seine Motivation. „Besonders wenn Kinder betroffen sind, ist es mein Anliegen, schnell für Klarheit zu sorgen und die Eltern im Zweifel beruhigen zu können.“ Vor allem im Herbst, wenn die „Schwammerl“ besonders zahlreich wachsen, wird Stefan Schneider ein bis zwei Mal pro Woche kontaktiert. Dann bittet er zunächst um gute Fotos per WhatsApp oder – sofern vorhanden – um Pilzreste. Hier analysiert er unter dem Mikroskop die Sporen und Zellstrukturen. Handelt es sich um einen Röhrenpilz, kann er in den meisten Fällen Entwarnung geben, den hierzulande gibt es keine tödlich giftigen Varianten. Bei Lamellenpilzen ist der gefährlichste Vertreter der grüne Knollenblätterpilz, der auch weiß, gelblicher oder bräunlicher sein kann, jedoch immer mit weißen Lamellen und einem kleinen Häutchen um den Schaft. Hier besteht Verwechslungsgefahr mit dem essbaren Wiesenchampignon, der immer rosa oder braune Lamellen zeigt.
„Pilze haben mich immer fasziniert. Nach meiner aktiven Zeit als Fußballspieler begann ich 2005 mit Fortbildungen dazu“, sagt Stefan Schneider. Zunächst ging er mit Familie und Bekannten wie Sissi Stanek und ihrem inzwischen verstorbenen Mann Joachim – beide Pilzsachverständige im Landkreis Fürth – auf Pilzsuche und -bestimmung. Dann absolvierte er pilzkundliche Abende bei der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg und Fortbildungen im Pilzzentrum Hornberg. Dabei lernte er alles über den Lebenszyklus, den Speisewert und das Ökosystem der Pilze und eben auch Details der giftigen Exemplare. 2015 erhielt er von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) den Titel „zertifizierter Pilzsachverständiger“ und wurde als Notfallkontakt in der Giftnotrufzentrale München hinterlegt. Alle fünf Jahre muss er sich den Titel rezertifizieren lassen. Über die DGfM-Homepage www.dgfm-ev.de finden Sie Sachverständige in Ihrer Nähe.
Die Giftnotrufzentrale vermittelt seine Nummer an Krankenhäuser, in denen Personen mit Vergiftungssymptomen eingeliefert wurden, ebenso wie an Privatpersonen. Stefan Schneider hat schon Ratsuchenden über den Landkreis Fürth hinaus geholfen –in Schwabach ebenso wie in der Notfallambulanz in Bamberg. Er fährt auch zu den Krankenhäusern, um Reste vor Ort zu analysieren. „Ich rate übrigens davon ab, sich nur auf eine App zur Pilzbestimmung zu verlassen.“
Was tun im Notfall?
Rufen Sie umgehend den Notruf an, eine Giftnotrufzentrale oder begeben Sie sich ins nächste Krankenhaus. Die Nummer des Giftnotrufs München lautet 089 192 40. Nicht selbst behandeln! Keine Hausmittel und eigenmächtigen Therapien! Kein Erbrechen herbeiführen, dies kann unter Umständen schädlich sein!
Sie wollen sich selbst zum Thema Pilze weiterbilden? Die vhs Südlicher Landkreis Fürth bietet Kurse rund um Pilze an – von Theorie bis Zucht.

