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Gedenken zum Volkstrauertag

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Trotz leichtem Nieselregen fanden wieder zahlreiche Oberasbacherinnen und Oberasbacher den Weg zu den beiden Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag in den Pfarrhof von St. Lorenz und auf dem Friedhof in Unterasbach, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung, Rassismus und Extremismus sowie Terrorismus und Antisemitismus zu gedenken.

In ihrer Ansprache betonte die Erste Bürgermeisterin Birgit Huber am 17. November, dass Gedenken an das vielseitige Unrecht und Leid heute besonders wichtig sei, um daraus die richtigen Schlüsse für die Gegenwart und die Zukunft zu ziehen. Das gelte insbesondere in Zeiten, in denen uns der Krieg näher sei als je zuvor im Leben der meisten von uns. Es schaffe ein Bewusstsein für den Wert des Lebens und das Leben in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Vor diesem Hintergrund hatte Birgit Huber eine 16-jährige Schülerin der Pestalozzi-Mittelschule Oberasbach eingeladen, ein von ihr selbst verfasstes Gedicht vorzutragen. Darin hatte Lena Merz ihre Eindrücke nach dem Schulbesuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau zusammengefasst. Sie hat dieses Gedicht „Atmendes Leid“ genannt. Sehr berührend schildert sie darin, wie sie Dachau als einen Ort der Grausamkeit wahrgenommen habe, an dem Leben gebrochen wurden, an dem man die vielfache Hoffnungslosigkeit, die Entmenschlichung, die Angst und die Schreie noch heute spüre. Dachau sei ein Ort, an dem die Macht gewonnen habe.

Doch auch heute sähen wir uns Situationen gegenüber, in denen die Macht – und nicht das Recht – gewänne, fuhr Bürgermeisterin Birgit Huber in ihrer Ansprache fort. „Deutlich erleben wir das im russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Dieser zeigt uns auch unsere eigene Hilflosigkeit, wenn ein Aggressor die bewährten Konventionen von Dialog und Diplomatie einseitig aufgekündigt hat.“ Doch solle das Gedenken an die Opfer Mahnung und Antrieb sein, dass die Macht nie wieder gewinnen dürfe und jeder sich fragen möge, welchen Beitrag er oder sie dazu leisten könne.

Vor der Kranzniederlegung am Ehrenmal des Unterasbacher Friedhofs sprach Margit Fischer, stellvertretende Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes, das traditionelle Totengedenken.

Pfarrer Thomas Meister von St. Stephanus bezog sich anschließend auf das Motto der diesjährigen Friedensdekade „Erzähl mir vom Frieden“ und griff eine kleine Geschichte über Kinder auf, die Krieg spielten. Als jemand anregte, doch lieber Frieden zu spielen, waren sie plötzlich ratlos. Pfarrer Meister schloss damit, doch eher Geschichten vom kommenden Friedensherrscher zu hören als von all den Hass verbreitenden Mächtigen in der Welt. Damit verband er die Hoffnung, dass die Kinder dann vielleicht wieder eher wüssten, wie man Frieden spiele.

Erste Bürgermeisterin Birgit Huber dankte den Abordnungen der Oberasbacher Vereine, insbesondere den Feuerwehren Oberasbach und Altenberg, der BRK-Bereitschaft sowie der Abordnung der Reservisten der Bundeswehr und der französischen Streitkräfte, dass sie dieser wichtigen Mahnveranstaltung wieder einmal einen würdigen Rahmen verliehen haben. Die musikalische Gestaltung im Kirchhof von St. Lorenz erfolgte durch den Posaunenchor Oberasbach und den Männergesangverein Anwanden. Am Friedhof in Unterasbach spielten erneut der Posaunenchor Oberasbach sowie ein Trommler und ein Trompeter der Blaskapelle Oberasbach.

Hier das von dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau inspirierte Gedicht der Oberasbacher Schülerin:

„Atmendes Leid“ 
von Lena Merz

In Zäunen mit Stacheldraht umgeben, mit Wachtürmen versehen liegt Dachau, ein Ort, der nie verstummt. Ein großes Gelände, an dem man schnell mal verirrt.
Ein Ort, in dem die grausamsten Geschichten passiert sind. Ein Ort, an dem die Macht gewinnt.

Hier drinnen sind viele Leben gebrochen.
Waren so viele Menschen für mehr als nur ein paar Wochen.  Ich sehe die Baracken, und ich fühle die Kälte, die Schreie, die permanente Angst.

Die schreckliche Zwangsarbeit.
Alle Muskeln brennen, der Magen schreit nach Nahrung, doch wird nicht gestillt.
Die Knochen so unendlich schwer von der viel zu harten Arbeit. Nur die dünne Häftlingskleidung in jeder Jahreszeit.
Hände, die viel zu schwere Lasten tragen, Tag für Tag.

Die Gaskammer, so kalt, so stabil.
So ein grausames Spiel. 
Wie viele Tränen wurden vergossen, wie viele Leben wurden beendet? 
Ein Raum, in dem einem das Sterben nur allzu bewusst ist. Ein Raum, in dem einen das Gift auffrisst. Ein Atemzug, doch es geht nicht mehr und dann die Augen so ausdruckslos und leer.

Das Krematorium, wo das Feuer frisst, was nicht mehr atmet, was nicht mehr leben kann. Wo Asche in die Luft steigt und alle Lebendigkeit vertreibt.

Erniedrigung ist Norm, das ist doch keine Lebensform.
Menschen ohne Namen, nur Zahlen.
Jedes Herz zerstört von Qualen.
Keine Identität, nur ein Schatten seiner selbst.

Ich gehe durch die Räume, fühle mich so hoffnungslos. Im Hals habe ich einen dicken Kloß, ich höre die Geschichten, sehe die grausamen Bilder und merke, wie Ungerechtigkeit diesen Ort umgibt.

Dachau, ein Ort, an dem die Ereignisse und Traurigkeit meine Kehle zuschnürt.
Mich in die Vergangenheit entführt.

In Zäunen mit Stacheldraht umgeben, mit Wachtürmen versehen liegt Dachau, ein Ort, der nie verstummt. Ein großes Gelände, auf dem man sich schnell mal verirrt.
Ein Ort, in dem die grausamsten Geschichten passiert sind. Ein Ort, an dem die Macht gewinnt.

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