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Hundert Tage Bürgermeister

    Anfang August konnte Erster Bürgermeister Thomas Diebenbusch (parteilos) auf die ersten hundert Tage im Amt zurückblicken. Sein Motto lautet: „Gemeinsam gestalten wir eine Stadt, in der sich alle Generationen wohlfühlen, engagieren und entfalten können.“ Inwieweit er sich hier auf einem guten Weg sieht – besonders im Hinblick auf die für ihn besonders wichtigen Themen Finanzlage der Stadt, Wirtschaft, Nachhaltigkeit, Verkehr und Schulwegsicherheit sowie interkommunale Zusammenarbeit – erläutert er im folgenden Interview.

    Herr Diebenbusch, was ist für Sie der bedeutendste Meilenstein Ihrer ersten Zeit als Bürgermeister?

    Das Wichtigste ist ganz klar, dass wir jetzt einen Haushalt haben und mit Einschränkungen wieder handlungsfähig sind. Dennoch gilt: Von einer dauerhaften finanziellen Leistungsfähigkeit sind wir noch weit entfernt. Sparzwänge sind weiter da, freiwillige Leistungen müssen weiter zurückgefahren werden – dieses Tal müssen wir noch gemeinsam durchschreiten. Immerhin: Bei dem wichtigen Projekt Neubau der Mittagsbetreuung im Pestalozzi-Schulzentrum steht die Finanzierung nun, die nächsten Leistungsstufen sind beauftragt und die Bauarbeiten können im Februar starten. In Bezug auf eine nachhaltige Stadtentwicklung ist es gut, dass die kommunale Wärmeplanung angelaufen ist. Was die Sanierung der städtischen Infrastruktur angeht, insbesondere der Straßen und Versorgungsnetze, können jetzt Anfang September zumindest im Hölzleshoffeld die Wasserleitungen erneuert werden. Und für nächstes Jahr ist die Fräsung der Hainbergstraße geplant. Aber ich muss es leider ganz klar so sagen: Wir können bei der aktuellen Finanzlage den Sanierungsstau der städtischen Infrastruktur – z.B. auch bei der Straßenbeleuchtung – auf Jahrzehnte nicht wirklich einholen. Auch mehrere Kindergärten müssten eigentlich saniert werden, was aber derzeit nicht realisierbar ist, so dass wir nach anderen Lösungen suchen müssen.

    Beschreiben Sie bitte die ersten Monate aus Ihrer Sicht!

    Es gab von Anfang an viel Arbeit hinter den Kulissen. Wir arbeiten z.B. im Rathaus an Lösungen, um den Bürgerservice zu verbessern. Die intensiven Gespräche hierfür haben direkt Anfang Mai begonnen. Einige Straßenverkehrsmaßnahmen sind jetzt schon umgesetzt, wie etwa der neue Zebrastreifen samt Vorfahrtsänderung an der Langenäckerstraße/Ecke St.-Lorenz-Straße – hier soll nun der Schulweg sicherer werden. In der Albrecht-Dürer-Straße hat sich durch ein Halteverbot die Busanbindung an die S-Bahn in Anwanden verbessert. An der Querungshilfe wird ebenfalls ein Zebrastreifen die Schulwegsicherheit erhöhen – und die Überarbeitung der Verkehrssituation an der Bahnhofstraße/Ecke Steiner Straße in Unterasbach ist in Arbeit.

    Außerdem haben wir begonnen das Thema Wirtschaftsförderung neu aufzusetzen. Ich möchte den Kontakt zu den Oberasbacher Unternehmen und auch zum Bund der Selbständigen (BDS) intensivieren und in einen engen Austausch kommen. In den letzten Wochen standen daher schon mehrere Firmenbesuche auf dem Programm, bei denen ich viel mitnehmen konnte. Zwischendurch war ich beim Lehrgang zum Standesbeamten: Ich finde es toll, nun die Möglichkeit zu haben, Paare zu trauen und sie bei ihrem Start ins gemeinsame Leben zu begleiten.

    Es gab gleich in Ihren ersten Wochen unliebsame Neuerungen für die Oberasbacherinnen und Oberasbacher…

    Allerdings! Die Erhöhung der Grundsteuer ist eine Entscheidung, die vom letzten Stadtrat noch getroffen werden musste, um einen tragfähigen Haushalt 2026 zu beschließen. Und die Erhöhung der Wassergebühren basiert auf Kalkulationen, die im Dezember 2025 begannen. Ich bemühe mich, die Umsetzung dieser unvermeidbaren Entscheidungen zu erklären, z.B. in Videos auf Facebook und Instagram – dafür gab es so gutes Feedback, dass ich das auch in Zukunft beibehalten möchte.

    Gab es neben diesen schwierigen Themen auch angenehmere?

    Bei den bisher drei Kärwas und dem Kirchweihumzug in Unterasbach hatte ich viel Spaß. Immer da, wo ich mit Menschen in größerer oder kleinerer Runde zusammenkomme, fühle ich mich wohl. Ich war vor dem ersten offiziellen Bieranstich bei der Oberasbacher Kärwa auch nicht sonderlich nervös, da ich vorher zuhause ein wenig geübt hatte – und das, obwohl ich ein Wirtssohn bin! Richtig toll war auch der Scooter Contest im Juni. Mir macht auch die Vernetzung auf Landkreisebene und mit den Partnerstädten Freude: Es gibt gute Bestrebungen zur interkommunalen Zusammenarbeit, das entwickelt sich sehr gut. Die Bürgermeister stehen im engen Austausch.

    Was steht als Nächstes an?

    Im Herbst möchte ich mich mit den Brauchtumsvereinen zusammensetzen, um die Grundlagen für die weitere Zusammenarbeit zu schaffen, damit die Vereine Planungssicherheit bekommen. Auch das Engagement für ein fahrradfreundliches Oberasbach und die Renaturierung des Asbachgrunds – Stichwort Klima- und Umweltschutz – dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Darüber hinaus werden wir die Vermarktung der Asbachhalle deutlich intensivieren, um eine bessere Auslastung zu erreichen. Ebenso soll unsere Stadt weiterhin Akzente setzen beim seniorengerechten Wohnen und selbstbestimmten Leben im Alter – ich unterstütze daher die Projekte unseres Quartiersmanagements und besuche beispielsweise gerne die Demenz-WG in der Schillerstraße.

    Haben Sie es sich so vorgestellt Bürgermeister zu sein?

    Grundsätzlich ja. An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals bei meiner Amtsvorgängerin Birgit Huber für die gute Übergabe. Insgesamt hatte ich einen schnellen Start im Amt, da ich dank meiner über sechs Jahre als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt schon viel wusste. Ich habe in der kurzen Zeit aber schon viele neue Einblicke und Blickwinkel bekommen, die die Sache noch spannender machen.

    Haben Sie etwas Neues über sich persönlich erfahren?

    Tatsächlich ist es so, dass mich die vielen Termine nicht so belasten, wie ich gedacht hätte. Es waren schon so viele coole, inspirierende Begegnungen dabei, die mir neue Horizonte eröffnet haben – das motiviert!

    Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Diebenbusch!

     

      

    Mehrere Männer prosten sich mit erhobenen Bierkrügen zu
    (c) Stadt Oberasbach Erster Bürgermeister Thomas Diebenbusch (links) mit stellv. Landrat Michael Bischoff und René Schuster von den Kärwaboum Oberasbach (v.l.) nach dem erfolgreichen ersten Bieranstich bei der Kirchweih im Altort
    Bürgermeister, Jubilarin und Gäste. Auf dem Tisch im Vordergrund bilden zwei goldene Luftballons die Zahl 90.
    Foto: (c) Christine Friebel Bei einem 90. Geburtstag in der Demenz-WG in der Schillerstraße
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