In der Pause ehrenamtlich aktiv
Wenn sich die meisten Schüler:innen der Oberasbacher Grundschulen erholen, haben einige ihrer Altersgenoss:innen eine wichtige Aufgabe – als Schulsanitäter:innen oder Streitschlichter:innen sind sie auf dem Pausenhof unterwegs und helfen, wo es erforderlich ist. Damit leisten sie einen wertvollen Dienst für die Schulgemeinschaft.
Svenja, Emilia, Theo und Jona engagieren sich in der Grundschule Altenberg (GSA) als Schulsanitäter:innen. Die Ausbildung beginnt jeweils in der 3. Klasse. „Wir haben damals an einem Lehrgang teilgenommen“, erinnert sich Theo. „Dabei haben wir gelernt, die Pflaster richtig aufzukleben, wie man die stabile Seitenlage macht und was man bei einer stark blutenden Wunde tun soll.“ Ab der 4. Klasse sind sie dann in Zweiergruppen gut erkennbar an orangen Westen in den Pausen unterwegs.
Mit größeren Unfälle hatten die Helfer:innen zum Glück noch nicht zu tun. Meist handelt es sich um Schürfwunden, die mit Pflastern versorgt werden. „Wir hatten noch nie richtig schlimme Fälle“, sagt Svenja. „Die Kinder, die sich verletzt haben, müssen getröstet werden.“ Jona ergänzt: „Besser ist es Herumstehende wegzuschicken, weil man sich dann auf den Verletzten konzentrieren kann, und das verletzte Kind es auch nicht schön findet, wenn alle zuschauen.“ Bei stärker blutenden Wunden ziehen die Schulsanitäter:innen immer eine Lehrkraft hinzu.
Das Anbot wird schon seit einigen Jahren an der GSA angeboten und erfreut sich großer Beliebtheit. „Nur 15 Schüler:innen eines Jahrgangs kommen in den Genuss der Ausbildung. Wir müssen leider immer losen, da sich viel mehr Kinder darum bemühen, Schulsanitäter:in zu werden, und das obwohl die Unterweisungen während der Schulzeit stattfinden und die Schüler:innen sehr wohl wissen, dass sie versäumten Unterrichtsstoff in ihrer Freizeit nachholen müssen“, berichtet Ina Preißinger, die das BRK-Programm gemeinsam mit ihrer Konrektorin Anja Lindner organisiert.
Einen positiven Effekt hat das Engagement für alle, die direkt oder indirekt damit zu tun haben. Emilia stellt fest: „Mir geht’s besser mit dem Amt, denn davor wusste ich nichts darüber wie man Wunden behandelt.“ Zudem wird eine Kultur des gegenseitigen Helfens geschaffen. „Füreinander da zu sein und zu erfahren, dass der eigene Einsatz benötigt, gesehen und geschätzt wird, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sind diese Schüler:innen Vorbild für andere, die so ebenfalls Lust bekommen, zu helfen“, fasst Ina Preißinger zusammen.
Ähnlich ist die Situation auch an der Pestalozzi-Grundschule. Dort sind seit 2016 Streitschlichter:innen im Einsatz. Das Angebot geht auf das Engagement von Elke Herbig zurück. Sie ist seit 15 Jahren Religionslehrerin im Kirchendienst an der Grundschule in Kreutles. Initiiert wurde die Ausbildung der jungen Streitschlichter:innen von der Erzdiözese Bamberg, die auch Elke Herbigs Stelle finanziert.
„Das Programm ist ein Gewinn für die ganze Schule und für die Kinder im Einzelnen“, fasst Elke Herbig zusammen. Auch an der Pestalozzi-Grundschule beginnt die Ausbildung in der jeweils 3. Jahrgangsstufe, und ebenso wie an der GSA melden sich mehr Schüler:innen als Plätze zur Verfügung stehen, so dass gelost werden muss. Die 14 glücklichen Teilnehmer:innen durchlaufen dann in einer wöchentlichen AG Übungen zur Wahrnehmung und Kommunikation. Sie lernen zum Beispiel was aktives Zuhören bedeutet und reflektieren, was in fiktiven Streitgesprächen gesagt wird. Dann geben sie es in Sätzen wieder, die z.B. mit „ich nehme wahr …“ oder „ich verstehe dich so…“ beginnen. In anderen Übungen spüren sie in sich hinein, wie bestimmte Körpersprache die eigenen Empfindungen verändern kann.
Im vierten Schuljahr werden die Schlichter:innen mit blauen Warnwesten ausgestattet und sind jeweils zu zweit auf dem Schulhof unterwegs. „Wenn wir einen Streit sehen, gehen wir dazwischen, sagen Stopp und fragen, ob die beiden Streitenden gemeinsam mit uns einen anderen Weg zur Lösung finden wollen“, erklärt Jonas. Sind alle einverstanden, dann wird im Streitschlichterzimmer darüber gesprochen, was passiert ist. Wichtig ist es, die andere Partei ausreden zu lassen, nicht zu lachen und das Besprochene nicht weiterzuerzählen. Am Ende wird ein schriftlicher Friedensvertrag geschlossen, der nach einiger Zeit noch einmal überprüft wird.
„Ich mag keinen Streit, und weil eine Freundin schon Streitschlichterin war, wollte ich bei der AG mitmachen“, erzählt Jonas. Ähnlich ist es bei Selina. „Mir hilft das, was ich hier gelernt habe, auch zuhause beim Streit mit meinen Geschwistern“, berichtet sie. Das macht deutlich, dass das freiwillige Engagement auch einen Beitrag zur persönlichen Entwicklung der Kinder leistet. Sie reflektieren ihr eigenes Handeln und stärken ihr Selbstbewusstsein. „Manche Eltern haben schon berichtet, dass ihre Kinder auch zuhause eine Konfliktklärung für die Erwachsenen nach unserer Methode herbeiführen wollen“ berichtet Elke Herbig schmunzelnd. Sie konnte zum Schluss des Schuljahres alle Streitschlichter:innen mit Eis belohnen, das der Förderverein der Schule stiftete.




