Radtour: Auf den Spuren des Abwassers
Die vhs Oberasbach & Roßtal und das Tiefbauamt luden am 18. Juli zu einer spannenden Entdeckungsreise mit dem Rad ein: Auf den Spuren des Abwassers in Oberasbach – was passiert mit unserem Abwasser? Gut 20 Radler folgten den lebendigen Ausführungen von Tiefbauamtsleiter Marco Wolfstädter direkt an den Orten des Geschehens.
Das Einzugsgebiet der Oberasbacher Kanalisation beträgt rund 432 Hektar und das Leitungsnetz umfasst rund 94 Kilometer. Über das ganze Stadtgebiet verteilt betreibt die Stadt acht Regenüberlaufbecken (RÜB), drei Entlastungswasserklärteiche (EKT), zwei Regenrückhalte- (RRB) und ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB), mal mehr und mal weniger als solche erkennbar, sowie zwei Abwasserpumpwerke und ein Abwasserhebewerk. Ausgeklügelte Sammel-, Weiterleitungs- und Überlaufmechanismen sorgen dafür, dass Abwässer und Oberflächenwasser in möglichst gleicher Menge an die Kläranlage in Nürnberg weitergeleitet werden. Nur so ist eine gleichmäßige und effiziente Reinigung der Abwässer in Nürnberg möglich. 1,8 Mio. m³ fallen davon jedes Jahr in Oberasbach an. Das entspricht 270 Litern pro Tag und Einwohner, davon entfallen wiederum rund 120 Liter auf Frischwasser.
Regenrückhaltebecken und Regenüberlaufbecken
Die Tour führte vom Rathaus direkt zum oberirdischen Regenrückhaltebecken „Meißener Straße“, das sich für den Unkundigen kaum wahrnehmbar an dem Verbindungsweg von der Langenäckerstraße zur Albrecht-Dürer-Straße befindet. Dorthin wird nur Regenwasser aus der Linder Siedlung abgeleitet, zwischengespeichert und versickert, bzw. bei zu starkem Niederschlag gedrosselt über den Beckenüberlauf dem Asbach zugeführt.
Anders verhält es sich bei den acht Regenüberlaufbecken und den Entlastungswasserklärteichen (EKT). Diese werden aus den Leitungen der Mischkanalisation gespeist, d.h. die Kanäle führen Fäkal- und Regenwasser gleichzeitig ab. Der bekannteste Entlastungswasserklärteich (EKT) ist wahrscheinlich der an der St.-Lorenz-Straße. Hier werden im Bedarfsfall Wassermengen im unterirdischen Retentionsraum zurückgehalten und bei weiter steigendem Abfluss über Schwellen in das Becken abgegeben. Dabei werden große Teile der Schweb- und Faserstoffe bereits ausgefiltert, bevor die abgegebenen Wassermengen in der Fläche versickern und verdunsten.
Elektronische Überwachung mit Steuerleitsystem
Alle städtischen Becken werden über ein Steuerleitsystem elektronisch überwacht. Die Daten fließen zentral zusammen und können von dem verantwortlichen Bauhofmitarbeiter online und über sein Diensthandy eingesehen werden. Somit ist jederzeit sichergestellt, dass Störungen umgehend erkannt und beseitigt werden können.
Im Laufe der Tour konnten die Teilnehmenden einerseits auch das große unterirdische RÜB 2 am renaturierten Asbach in Unterasbach besichtigen. Die beiden Speicherkammern fassen rund 1.300 m³. Für die Teilnehmenden war es einigermaßen überraschend, dass diese Kammern ziemlich sauber sind, weil ein Eigenreinigungssystem eine Verschlammung verhindert. Zusätzlich fasst der zugehörige gut sichtbare Entlastungswasserklärteich (EKT) noch einmal knapp 5.000 m³.
Einstieg in das unterirdische RÜB 6
Eine ähnliche Anlage befindet sich mit dem RÜB 6 an der Hainbergstraße. Treppen führen in dieses unterirdische Becken mit einem Fassungsvermögen von 620 m³. Darüber konnten die Teilnehmenden dann tatsächlich auch mal komfortabel in ein solches Becken hineinsteigen. Nun war man tatsächlich in der Oberasbacher Kanalisation angekommen. Da das Becken leer war auch ohne wahrnehmbare Gerüche.
Den Abschluss der Tour bildete das Abwasserhebewerk mit dem RÜB 5 an der Rothenburger Straße. Dort wurde durch Marco Wolfstädter die Bedeutung des Hebewerks als zentrale Überleitung in das Kanalnetz zur Nürnberger Kläranlage herausgestellt. Von großem Interesse waren hier neben der Demonstration des Steuerleitsystems die Besichtigung der großen Pumpen im Pumpenhaus und die Rechenanlage mit dem ausgefilterten Rechengut.
Tiefbauamtsleiter Marco Wolfstädter beantwortete während der Tour zahlreiche Fragen der interessierten Teilnehmenden. Neben vielen spannenden Details gewannen die Teilnehmenden auch einen sehr guten Überblick über das Zusammenspiel der Systeme. Die Bedeutung der Kanalisation, aber auch ihre Komplexität wurde ihnen deutlich. Ebenso auch die Wichtigkeit der täglichen Arbeit der Menschen, die in Oberasbach dafür sorgen, dass wir uns in der Regel keine allzu großen Sorgen machen müssen, wenn wir duschen, die Toilette benutzen oder einfach Wasser in den Ausguss gießen.





