Rathaus-Geschichte(n) und -Geheimnisse
Wissen Sie, wo im Oberasbacher Rathaus der Grundstein eingelassen ist? Wo die „Ahnengalerie“ der ehemaligen Bürgermeister zu finden ist? Und dass es in dem eigenwilligen Oktogon schon einmal gebrannt hat? Das sind nur einige der „versteckten“ Ecken und selten erzählten Geschichten, die Hauptverwaltungs-Chef Markus Träger bei einer Führung am 13. April den rund 20 Teilnehmern präsentierte.
Die von der vhs Oberasbach & Roßtal im Rahmen unseres Jubiläums „30 Jahre Stadt Oberasbach“ angebotene Führung startete im Sitzungssaal im dritten Stock. Zunächst erläuterte Markus Träger, seit 2016 Geschäftsleitender Beamter der Stadt Oberasbach und Hobby-Archivar, dass 1936 das Wohnhaus des renommierten Wirtschaftswissenschaftlers Wilhelm Vershofen in der Jahnstraße für 13.500 Reichsmark erworben und zum ersten Rathaus von Oberasbach umgewidmet worden sei. Bis 1932 musste der Bürgermeister seine privaten Räumlichkeiten für Verwaltungstätigkeiten zur Verfügung stellen, die Gemeinderatssitzungen fanden damals in einem Gasthaus, später auch in einem Schulzimmer oder im Wohnzimmer des Ersten Bürgermeisters statt. Ab 1956 fungierte das heutige Jugendhaus in Kreutles als Verwaltungssitz.
Architektonisches Ausrufezeichen
Die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund vieler Heimatvertriebener schnell wachsende Gemeinde Oberasbach benötigte jedoch ein urbanes neues Zentrum, das nach dem Entwurf des Architekten Albrecht Thalhammer in Altenberg entstehen sollte. Anfang Mai 1980 konnte schließlich das damals noch von Ackerflächen umgebene neue Rathaus seiner Bestimmung übergeben werden, die offizielle Einweihung war am 21. Juni. „Mit der achteckigen Form wollte man hier ein Ausrufezeichen setzen“, erklärte Markus Träger. „Im Gegensatz zu vielen heutigen Projekten ist man mit knapp zwei Jahren Bauzeit im Zeitplan geblieben, und auch fast im Kostenplan: 4,6 Millionen D-Mark waren veranschlagt, 4,8 hat es letztlich gekostet.“ Die Mehrkosten gingen teilweise auf einen Brand an der Eindachung der Südseite am 31. Juli 1979 zurück. Größeren Schaden als das Feuer hatte allerdings das Löschwasser angerichtet, so dass hier 50.000 D-Mark extra anfielen.
Interessant ist, dass das Rathaus von außen nach innen geplant wurde: Im städtebaulichen Wettbewerb wurde zuerst der Baukörper festgelegt, in den anschließenden Planungen später die Räume in die vorgegebene Form eingezeichnet. Ursprünglich sollte das neue Rathaus nur eine Teilunterkellerung bekommen mit einer Bücherei im 1. OG sowie einem großen und einem kleineren Sitzungssaal. Doch da die beiden großen Gemeinderatsparteien CSU und SPD auf eigene Fraktionszimmern bestanden, gab es nur einen größeren, in Grün gehaltenen Sitzungssaal, dessen Mobiliar noch original von 1980 ist – ebenso wie die Wandvertäfelungen und die Deckenleuchten, deren Retro-Charme Kenner heute zu schätzen wissen. Die komplizierte Lichtsteuerungsanlage ist ebenfalls von 1980 und funktioniert einwandfrei. Auch die damals fortschrittliche Sprachaufzeichnung mit Mikrokassetten – heute durch eine digitale Lösung ersetzt – war noch bis vor einigen Jahren im Einsatz. Die weitergehende Modernisierung des Sitzungssaals sei wegen der leeren Kassen auf Eis gelegt, so Träger. Immerhin: Das nur über den Sitzungssaal erreichbare ehemalige CSU-Fraktionszimmer wird aktuell zum neuen Trauzimmer der Stadt Oberasbach umgebaut, um im ersten Stock mehr Platz für Büros zu schaffen. Das zweite Fraktionszimmer wurde 2022 in ein Multifunktionsbüro umgestaltet, das dem allgemeinen Platzmangel im Rathaus ein wenig Abhilfe verschafft. Verwaltungsangehörige, die keinen oder wenig Parteiverkehr haben, nutzen zudem die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten, auch Desk-Sharing gehört für einige der Teilzeitkräfte zum Arbeitsalltag. „Die Verwaltungsarbeit wird immer komplexer, wir benötigen immer mehr Leute dafür, dass es – hoffentlich – für die Bürgerinnen und Bürger einfacher wird“, merkte Markus Träger schmunzelnd an.
Aus- und Einsichten
Die Teilnehmer der Führung hatten dann im 3. Obergeschoss Gelegenheit, bei strahlendem Sonnenschein den fabelhaften Weitblick von einer der Sitzungssaal-Terrassen zu genießen, von der aus man u.a. die Alte Veste in Zirndorf und die Nürnberger Burg sehen kann. Vor dem Sitzungssaal ließ sich noch die Portraitgalerie aller ehemaligen Oberasbacher Bürgermeister bestaunen, bevor es in den hauptsächlich vom Bauamt genutzten zweiten Stock ging. Beim Rundgang vorbei an den Büros machte der Chef der Hauptverwaltung – der sich seit Jahren mit Plänen für eine Sanierung, Erweiterung oder Auslagerung des Rathauses beschäftigt – deutlich, dass die Oberasbacher Schaltzentrale baulich in keinem guten Zustand sei. Im ersten Stock seien das Noch-Trauzimmer und der Serverraum die einzigen klimatisierten Räume im Rathaus. Dann ging es ins Allerheiligste, das Büro der Ersten Bürgermeisterin Birgit Huber – ihr Schreibtisch wie auch das sonstige imposante Mobiliar stammen noch aus der Zeit des ersten Hausherrn Hans Raab.
Die im ganzen Gebäude von der Decke herabhängenden Kabel erklärte Träger mit der zentralen Brandmeldeanlage, die demnächst installiert werden soll – tatsächlich funktioniere bislang die Alarmierung bei Feuer „sehr nachhaltig, aber auch sehr gesundheitsschädlich“ mit einer handbetriebenen Kurbelsirene. Im Brandfall müssten die Rathausmitarbeiter über die Fenster mittels Feuerwehr-Drehleiter evakuiert werden, sollte das einzige Treppenhaus nicht mehr passierbar sein. Mittlerweile war die Gruppe im Keller angekommen. Nach einem Blick in den Heizungskeller, den Elektroraum, den Aufzugsbetriebsraum und das Hebewerk ging es in die Stadtbücherei. „Oberasbach hat kein Geld für eine neue Bücherei – auch nicht für die zuletzt angedachte Idee einer Modulbauweise auf der sogenannten Festwiese hier am Rathaus“, verriet Markus Träger bedauernd. „Dabei entspricht sie längst nicht mehr den Vorgaben des Büchereifachverbandes – moderne Konzepte, z.B. ein angeschlossenes Café, lassen sich hier nicht umsetzen.“
Schmuckstücke im Foyer
Als kleine Challenge hatte Markus Träger den interessierten Zuhörern zu Beginn mit auf den Weg gegeben, den Grundstein des Rathauses zu suchen. Doch im Untergeschoss hielt man danach vergeblich Ausschau. Die Auflösung kam im Foyer: Denn da die Grundsteinlegung am 13. September 1978 und damit drei Monate nach Baubeginn gefeiert wurde, ist der Grundstein dort eingelassen, auf Augenhöhe links vom Südeingang. Wie allgemein üblich, wurden hier ein damals aktueller Münzsatz und eine Tageszeitung sowie eine Urkunde eingemauert, deren Abschrift auf der gegenüberliegenden Seite hängt. Zum Abschluss der rund 90-minütigen Führung ging Markus Träger noch auf das großflächige Tonrelief zur Oberasbacher Geschichte bis zur Stadterhebung 1994 ein, das die Foyerwand gegenüber der Rathauspforte schmückt und das im April 2024 ebenfalls 30 Jahre alt wurde (mehr dazu im separaten Beitrag Geschichtslektion aus Ton). „Jetzt bin ich schon so oft hier hereingegangen, aber das ist mir noch nie aufgefallen!“, rief eine Teilnehmerin erstaunt aus.
Achten Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Rathaus doch mal auf das informative Kunstwerk!




