Unterbringung Geflüchteter in Oberasbach

Seit der zweiten Märzwoche wird eine Immobilie am Hans-Reif-Sportzentrum in Oberasbach als Unterkunft für inzwischen 48 Geflüchtete aus der Türkei, Syrien und Tadschikistan genutzt. Dazu haben der Landkreis Fürth und die Stadt Oberasbach am 23. März eine Bürgerinformationsveranstaltung in der benachbarten Jahnhalle durchgeführt.
Über 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Mitarbeiter des Landratsamtes erläuterten zunächst die allgemeine Lage bevor die Möglichkeit zum Dialog eröffnet wurde.
Verteilung erfolgt nach festen Regeln
Nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ werden Geflüchtete während ihres Asylverfahrens auf die Bundesländer verteilt. Von dort beginnt eine weitere Zuweisung über die Regierungsbezirke auf die Landkreise und Kommunen entsprechend ihrer Bevölkerung und ihrer Leistungsfähigkeit.
Dabei ist das Wort „Zuweisung“ auch im wörtlichen Sinne zu verstehen, ein Mitspracherecht über Anzahl, Herkunftsland oder gar soziale Struktur der aufzunehmenden Personen ist nach dem Gesetz nicht vorgesehen. Aufgrund der zentralen Aufnahmestelle in Zirndorf wurden dem Landkreis Fürth in den letzten Jahren keine oder nur wenige Geflüchtete zur zusätzlichen Unterbringung zugewiesen. Diese Gesetzeslage hat sich geändert und durch den steigenden Zustrom an Geflüchteten wurden in den letzten Monaten bereits in Cadolzburg und in Stein Geflüchtete untergebracht.
Auch Oberasbach wurde bereits mehrfach vom Landratsamt angefragt, ob und wo die Stadt Kapazitäten bereitstellen könne. Diese lehnte Bürgermeisterin Birgit Huber bislang ab, da die Stadt über keine geeigneten städtischen Immobilien verfügt. Weil der Unterbringungsdruck für den Landkreis weiter anstieg, hat das Landratsamt nun eine Gelegenheit auf dem freien Wohnungsmarkt in der Jahnstraße genutzt und den ehemaligen „Asbacher Hof“, in dem zuletzt Monteure gewohnt hatten, für die nächsten vier Jahre angemietet.
Geflüchtete im Asylverfahren seien gesetzlich verpflichtet, so das Landratsamt, bis zum Abschluss des Verfahrens in diesen Unterkünften zu wohnen. Dieses kann im positiven Fall zwischen sechs und zwölf Monaten dauern. Sofern der Antrag abgelehnt wird, ist davon auszugehen, dass es zu gerichtlichen Widersprüchen gegen den Bescheid kommt. Das Gerichtsverfahren dauert in der Regel auch noch einmal ein bis eineinhalb Jahre.
Die Geflüchteten werden in der Unterkunft von zwei Mitarbeitenden des Landratsamtes täglich besucht. Ferner steht ein Integrationslotse im Landratsamt bereit, der ehrenamtliche Helfer mit Know-how und Organisation unterstützt. Mit der Asylgruppe in Zirndorf unter Leitung von Erwin Bartsch funktioniert das im Ankerzentrum bereits seit vielen Jahren sehr gut. Das Landratsamt hofft, dass sich eine ähnliche Gruppe Ehrenamtlicher auch in Oberasbach bildet. Die Asylgruppe Zirndorf unterstützt gerne beratend, personelle Ressourcen sind derzeit jedoch nicht vorhanden.
Fragen aus dem Publikum
Aus dem Publikum kamen zahlreiche Fragen zur sozialen Struktur der Untergebrachten und der weiteren Vorgehensweise, vor allem aber belasten einige Bürgerinnen und Bürger natürlich auch Sorgen und Befürchtungen, inwieweit Gefahren von den Neuankömmlingen ausgehen können und wie der Landkreis oder auch die Stadt diesen begegnen.
Bei den neuen Bewohnern handelt es sich derzeit ausschließlich um Männer, von denen 38 zwischen 18 und 35 Jahren sind, weitere 10 sind zwischen 36 und 65 Jahren. Die Fragen nach einer Unterbringung von Frauen oder Familien in Oberasbach wurde gestellt, jedoch musste das Landratsamt auch in diesem Fall darauf verweisen, dass es hier keine Einflussmöglichkeiten gibt. Grundsätzlich ist der Zustrom geflüchteter Männer natürlich überproportional hoch, da die Flucht zum einen teuer und zum anderen gefährlich sei und sich die Familien in den betroffenen Ländern genau überlegen, ob sie lieber eine junge Frau alleine auf die Reise schicken oder einen jungen Mann in der Hoffnung auf einen späteren Familiennachzug.
„Was machen die Geflüchteten eigentlich den ganzen Tag?“, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Die Möglichkeiten seien im Moment sehr eingeschränkt, bei manchen bestehe die Chance zur Teilnahme an einem Integrationskurs, der den Tag weitgehend ausfülle, andere machen gerne Sport. Die Stadt spricht bereits mit TSV, DJK und den Kirchen über mögliche Angebote.
Sorgen im Publikum
Aus dieser möglichen Langeweile erwächst bei einigen im Publikum immer wieder die Sorge, dass mancher der Geflüchteten deshalb „auf dumme Gedanken“ kommen könne und die Sicherheit für Kinder und Jugendliche in der Jahnstraße gefährdet sei. Ob das Landratsamt ausreichend berücksichtigt habe, dass sich Kinder dort auf dem Schulweg oder beim Sport aufhielten, wurde gefragt. Die Eignung des Gebäudes sei eingehend geprüft worden, so das Landratsamt, zudem bat Bürgermeisterin Birgit Huber darum, ihr gerne alternative Standorte mit besserer Eignung und Verfügbarkeit in Oberasbach zu nennen. Vorschläge dazu liegen noch nicht vor.
Aktuell, so ergänzte das Landratsamt, seien keine weiteren Unterbringungen in Oberasbach geplant.
In der Einrichtung sei rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst untergebracht, erläuterten die Mitarbeitenden des Landratsamts, und zudem bestätigte die Erste Bürgermeisterin Birgit Huber die Sorgen mitzunehmen und gemeinsam mit dem Bauamt zu prüfen, inwieweit auch die Beleuchtung rund um dieses Areal verbessert werden könne. Bereits eingerichtet sei ein erweitertes Schließsystem für die Jahnhalle, um Unbefugten den Zutritt zu verwehren.
Auf einander zugehen
„Dennoch“, so meldete sich ein 99-jähriger Bürger mit seinen eigenen Erfahrungen zu Wort, „darf man die Menschen dort nicht einfach kriminalisieren. Keiner von denen ist freiwillig hier. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele aus den verlorenen deutschen Ostgebieten geflüchtet, wurden aber nicht als gleichberechtigte Deutsche akzeptiert, weil sie anders sprachen und deshalb fremd wirkten oder die ‚falsche‘ Konfession hatten. Manche wurden daher als Lumpen und Verbrecher bezeichnet. So wie derartiges Verhalten damals falsch war, so ist es heute immer noch falsch. Vielmehr müssen wir aufeinander zugehen!“
Ehrenamtliche gesucht
Darum bittet ebenfalls das Landratsamt. Ein gutes Zusammenleben kann nur gemeinsam gelingen. Die geflüchteten Menschen benötigen Unterstützung, nicht nur von Seiten der Behörden, sondern vor allem aus der Bevölkerung. Deshalb werden Ehrenamtliche gesucht, die ganz nach eigenen Fähigkeiten und Interessen beim Spracherwerb, bei Freizeitbeschäftigungen oder auch bei Schriftverkehr oder Behördengängen unterstützen können. Eine am Ende der Veranstaltung aufgestellte Helferbox wurde bereits mit einigen Hilfsbereiten gefüllt und gibt Anlass zu einem guten, gemeinsamen Gelingen.
Zwei Geflüchtete nahmen auf Einladung der katholischen Pfarrei St. Johannes bereits am Sonntag am traditionellen Fastenessen teil. Im Gespräch über den Google-Übersetzer kam man zügig in einen angenehmen, persönlichen Austausch.
Weitere Meldungen gerne an den Integrationslotsen Herrn Dellermann (E-Mail: r-dellermann@lra-fue.bayern.de).