Zehn Jahre Oberasbacher Repair-Café
Wenn beim Oberasbacher Repair-Café im städtischen Jugendhaus unter dem Motto „Gemeinsam reparieren statt wegwerfen“ geschraubt, gelötet, genäht und gefachsimpelt wird, dann geht es um mehr als nur um kaputte Toaster, streikende Drucker oder knarzende Kaffeemaschinen: Seit dem 18. Juni 2016 ist die von Dietmar Fechner und Renate Schwarz initiierte Veranstaltungsreihe mit dem etwa 20-köpfigen Team an Ehrenamtlichen auch zu einem beliebten Begegnungsort geworden.
„Mir lag besonders am Herzen, dass wir mit dem Repair-Café eine generationenübergreifende Plattform für Begegnung und Austausch schaffen. Das ist von Anfang an wunderbar gelungen. Hier kann man seine Fähigkeiten einbringen, weitergeben und Neues lernen. Davon profitieren die ehrenamtlichen Reparateure ebenso wie unsere Besucher“, sagt Quartiersmanagerin Renate Schwarz.
Rund fünfmal pro Jahr verwandelt sich das OASIS in eine hocheffiziente Pop-up-Werkstatt mit geselliger Café-Atmosphäre. Im Mittelpunkt stehen dabei die etwa 20 Ehrenamtlichen, die mit beeindruckendem Engagement dafür sorgen, dass geliebte Alltagsgegenstände eine zweite Chance bekommen. Durchschnittlich rund 30 Reparaturaufträge kommen pro Veranstaltung zusammen – von der Portionskaffeemaschine über Staubsauger oder Tablet bis hin zu kleinen Küchengeräten. Und manchmal sind ganz besondere Schätze dabei, z.B. ein Grammophon, eine alte Stehlampe oder eine Käthe-Kruse-Puppe. Fahrräder werden nicht mehr angenommen, seit es Fahrradhilfe Franken e.V. (ehemals Fahrradnachbarschaftswerkstatt) gibt. Das Angebot ist für die Besucher kostenlos, eine angemessene Spende ist jedoch erbeten.
Von Anfang an dabei ist Dietmar Fechner. Das Repair-Café ist das „Baby“ des heute 78-Jährigen. Schon im Schrauberteam des Repair-Cafés in der Kleeblattstadt engagiert, brachte der Altenberger die Idee und seine Erfahrung mit nach Oberasbach – und anfangs den rollenden Werkzeugschrank aus der Fürther Kofferfabrik. Bei der damaligen Bürgermeisterin Birgit Huber stieß er mit seinem Vorschlag auf offene Ohren, sie vernetzte ihn mit der neuen Quartiersmanagerin Renate Schwarz – der Rest ist Geschichte. Bis heute gilt für Dietmar Fechner ein wichtiger Grundsatz: „Sicherheit geht vor. Wir machen nur, was wir können. Und wir möchten keine Konkurrenz für Profi-Handwerker sein, sondern Hilfe zur Selbsthilfe bieten – und ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen.“ Mit Erfolg: Schätzungsweise eine Tonne Elektroschrott wurde in zehn Jahren vermieden. Diese Zahl lässt sich daraus ableiten, dass alle Geräte seit Beginn bei der Annahme gewogen werden. Jede gelungene Reparatur verlängert den Lebenszyklus eines Geräts im Schnitt um rund 30 Prozent. Oft braucht es dafür gar nicht viel: etwas Öl, Druckluftspray, Reinigen, Schmieren oder Entkalken. Gerade Kaffeevollautomaten, CD-Player oder Küchengeräte könnten mit etwas Pflege oft deutlich länger halten.
Viele Ehrenamtliche waren ab 2016 mehrere Jahre mit dabei und sind es teilweise noch immer, andere kamen später hinzu – wie Heinz Beiersdorfer, ehemaliger Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, der als versierter Bassist seit seinem „Unruhestand“ besonders gerne Musikinstrumente repariert. Das Alter im Team reichte schon von Anfang 20 bis über 90 Jahre. Sie alle verbindet dieselbe Haltung: Probleme lösen, statt Dinge vorschnell aufzugeben. Dabei hat jeder seine Spezialgebiete. Früher gab es einen Experten für Handys und Kaffeevollautomaten, heute kümmert sich jemand besonders um Nähmaschinen. Apropos: Regelmäßig unterstützt auch eine Dame mit ihrer eigenen Nähmaschine Besucherinnen und Besucher – sei es bei kleinen Reparaturen an heißgeliebten Handtaschen oder bei Fragen zu eigenen Textilprojekten.
Genauso wichtig wie die Schrauber und Tüftler sind all jene, die im Hintergrund mithelfen: das Empfangsteam und die Freiwilligen an der Kaffee- und Kuchentheke. Norbert Schwarz trägt gerne mit Liedern zur Gitarre zur geselligen Atmosphäre bei – und sorgt neuerdings mit einem 3D-Drucker, dessen Anschaffung vom Bundesumweltministerium gefördert wurde, direkt vor Ort für nötige Ersatzteile.
Das Oberasbacher Repair-Café wurde zum Vorbild für mehrere ähnliche Initiativen im Landkreis Fürth. Noch immer kommen Besucherinnen und Besucher nicht nur aus Oberasbach, sondern u.a. auch aus Stein, Zirndorf, Fürth oder Nürnberg. Viele schätzen die herzliche Stimmung ebenso wie die große Hilfsbereitschaft. Und immer wieder ist die Dankbarkeit groß, wenn ein liebgewonnener Gegenstand doch noch gerettet werden kann. Hinter den Kulissen bedeutet jeder Termin viel Arbeit: Tische und Stühle müssen auf- und abgebaut, Material transportiert, Kuchen gebacken und liebevolle Deko organisiert werden. Die Stadt unterstützt das Projekt u.a. mit den Räumlichkeiten im städtischen Jugendhaus und Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit. „Ein Traum wäre ein ‚festes‘ Repair-Café in eigenen, zentral gelegenen Räumen – vielleicht in einem Container auf der Festwiese am Rathaus“, formuliert Renate Schwarz ihren Geburtstagswunsch zum Zehnjährigen.
„Das Oberasbacher Repair-Café ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit, Ehrenamt und Gemeinschaft zusammenwirken können. Zehn Jahre nach dem Start ist die Idee aktueller denn je. Ich danke unserem Quartiersmanagement und all den Ehrenamtlichen, die mit ihrem Einsatz auch dafür sorgen, dass mit den Gebrauchsgegenständen so manche wertvolle Erinnerung erhalten bleibt“, so Erster Bürgermeister Thomas Diebenbusch bei seinem Besuch im Mai.
Wer sich als ehrenamtlicher Reparateur melden möchte, kann dies beim Quartiersmanagement Oberasbach tun, unter 0911 80 19 35 69 oder renate.schwarz@diakonie-fuerth.de.
Die nächste Ausgabe des Oberasbacher Repair-Cafés findet am 18. Juli 2026 statt, erneut von 13.00 bis 16.00 Uhr im Jugendhaus OASIS, Auftragsannahme bis 15.30 Uhr. Herzlich willkommen!



