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Ein Ort der Erinnerung – und des Lebens

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„Berührend“, „würdevoll“, „informativ“, „eine runde Sache“, „fast schon cool“: Das waren einige der Kommentare zur Jubiläumsfeier „75 Jahre Friedhof Oberasbach“ am 22. Juli 2026 mit rund 60 Gästen.

Erster Bürgermeister Thomas Diebenbusch hatte bei seiner Begrüßung in der Aussegnungshalle eingangs auch gleich festgestellt, dass man hier selten in so viele lächelnde Gesichter blicke. „Unser Friedhof ist seit nunmehr 75 Jahren weit mehr als eine Begräbnisstätte. Er ist ein Ort der Erinnerung, der Besinnung und der Begegnung. Ein Ort, an dem wir uns unserer eigenen Vergänglichkeit bewusst werden – und gerade deshalb den Wert des Lebens neu erkennen. Mein herzlicher Dank gilt allen, die diesen Friedhof über viele Jahrzehnte gepflegt, gestaltet und weiterentwickelt haben: den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt, den Kirchen, den Gärtnerinnen und Gärtnern, den Steinmetzen, den Bestattungsunternehmen, den ehrenamtlich Engagierten und nicht zuletzt den Angehörigen, die mit ihrer liebevollen Grabpflege diesen Ort lebendig halten. Möge unser Friedhof auch in Zukunft ein Ort bleiben, an dem Erinnerungen bewahrt werden, Liebe sichtbar wird und Hoffnung ihren Platz hat!“, so Diebenbusch.

Pfarrer Thomas Meister von der 1965 geweihten benachbarten Kirche St. Stephanus bemerkt im Anschluss: „Wir haben hier einen besonderen Friedhof, mit viel Grün, fast wie ein Park, mit Blumen, Bäumen und der Nähe zum Hainberg. Hier ist ein Ort der Gemeinschaft, er soll Menschen zusammenführen, es geht um Trauer, Trost und Frieden. Oberasbach darf stolz sein auf diesen Ort.“ Pfarrer Meister erinnerte auch daran, dass während der energetischen Sanierung der Aussegnungshalle von Mai bis August 2017 Trauerfeiern unabhängig von der Konfession in St. Stephanus stattfinden konnten. Das nun vier Jahre alte Café Friedrich nannte er einen „Segen für diesen Ort und ganz Oberasbach.“

Alexandra Wieland, Gemeindereferentin St. Johannes, bat danach um Gottes Segen „für diesen besonderen Ort, für alle Gräber und alle, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, für ihre Angehörigen und alle, die hier immer wieder einen Ort der Stille für sich suchen und finden.“

Edith Klein ergriff dann das Wort: „Ich bin die Stimme der Friedhofsglocke!“ Die ehemalige Vorsitzende des Oberasbacher Heimatvereins erzählte mit viel Witz von der fis-Glocke, die seit 1924 in St. Lorenz mit zwei weiteren Glocken zum Gebet läutete. Nachdem sie mehr als 50 Jahre ein Schattendasein in einer Friedhofsecke gefristet hatte, bekam die Glocke auf Initiative des Heimatvereins 2020 ein neues Gestell aus Cortenstahl und einen neuen Standort neben dem Mahnmal für die Kriegsopfer. Edith Klein läutete dann auch ausgiebig die Friedensglocke. Die musikalische Untermalung übernahm der Posaunenchor Oberasbach, der beispielsweise das Stück „Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros spielte.

Ab 14 Uhr gab es zwei parallel durchgeführte Rundgänge mit Angela Weisel, Standesamt-Chefin der Stadt Oberasbach, und Friedhofsmitarbeiter Marian Greulich mit Erklärung der Grabarten und Abläufe im Friedhof sowie Besichtigung der Einrichtungen – für die rund halbstündigen Führungen wurde das Radfahrverbot für die beiden Oberasbacher Radrikschas aufgehoben. Start war an der anonymen Urnenwiese im Atrium mit 60 Plätzen. Hier gibt es zu Allerheiligen immer eine Feierstunde. Weiter ging es in den kleinen Verabschiedungsraum neben der Aussegnungshalle – nur dort ist eine Aufbahrung im offenen Sarg möglich. Ein Highlight des Friedhofs ist die 2019 angelegte Urnenwiese an einem künstlichen Bachlauf. Seit 2012 gibt es auch die Möglichkeit der Baumbestattung mit 128 Grabplätzen.Sehr beliebt seien auch die 2008 von ihrem Amtsvorgänger Leonhard Schuster initiierten Urnenstelen. Bei dieser geschmackvollen Bestattungsform könne man jede Nische für drei bis maximal fünf Urnen nutzen. Nach Ablauf der Ruhefrist von 15 Jahren könne man das Nutzungsrecht verlängern und die Nische so auch in der Familie weitergeben. „Es sind von 420 Nischen allerdings nur noch rund ein Dutzend frei. Wir überlegen, auf dem alten Teil des Friedhofs einen weiteren Standort zu finden, wenn die Finanzlage der Stadt es zulässt“, erläuterte Angela Weisel. Auf dem alten Teil des Friedhofs ist es dank des alten Baumbestandes deutlich kühler, hier gibt es an den Wegen derzeit überall Lücken. „Nur bei der Urnenwiese am Bach wird der Reihe nach vergeben. Bei allen anderen letzten Ruhestätten werden wir fast jedem Wunsch gerecht. Wir beraten Sie gerne – Ihre Ansprechpartner hier vor Ort sind Marian Greulich und Werner Stenz“, ermunterte Angela Weisel.

Im vom städtischen Kulturamt liebevoll dekorierten Pop-up-Café im Atrium kamen die Gäste schließlich zu Kaffee, Kuchen und angeregten Gesprächen zusammen. Dort erzählte man sich so manche Anekdote: Wussten Sie etwa, dass die erste, fast schon anarchische Beerdigung auf dem neuen Friedhof im November 1950 und damit noch vor der Weihe am 22. Juli 1951 stattfand? Dass es in der alten Friedhofsanlage auch einen Sezierraum gab? Und dass von der Kommune viele Jahre ein Diensthund mit monatlich 50 Mark finanziert wurde…? 

Herzlichen Dank allen Beteiligten!

Mehr zum städtischen Friedhof ("Vom Pacht-Gottesacker zum Aushängeschild der Stadt") lesen Sie hier und auf dieser Unterseite.

Fotos: (c) Stadt Oberasbach
Foto: (c) Stadt Oberasbach Erster Bürgermeister Thomas Diebenbusch, Alexandra Wieland, Gemeindereferentin St. Johannes, und Pfarrer Thomas Meister von St. Stephanus (v.l.) mit Edith Klein, ehem. Vorsitzende des Heimatvereins, die nach den Ansprachen die Friedhofsglocke läutete. Untere Reihe: Angela Weisel, Standesamt-Chefin der Stadt Oberasbach (mit ihrem Vorgänger Leonhard Schuster) und der Friedhofsmitarbeiter Marian Greulich
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